Montag, 25. Juli 2016

Deutsche Telekom Half O2 beim Datenmissbrauch?

Im Skandal um den Datendiebstahl von 17 Millionen Kundendaten hat der Mobilfunker O2 der Deutschen Telekom womöglich geholfen, widerrechtlich Verbindungsdaten von Verdächtigen auszuspähen. Dies würde ein zweifelhaftes Licht auf die Sicherheitspraxis in der Branche werfen: Der Austausch von Kundendaten soll auf dem kleinen Dienstweg erfolgt sein.

Hamburg - Der neue Telekom-Vorstand für Datensicherheit Manfred Balz hatte im Oktober eingeräumt, ein Telekom-Mitarbeiter habe sich bei dem Versuch, die Datendiebe von 17 Millionen illegal entwendeten Kundeninformationen zu finden, in mindestens einem Fall Informationen von einem Konkurrenten beschafft. Die Telekom-Mitarbeiter hatten anschließend die Verbindungsprotokolle von internen Verdächtigen widerrechtlich ausgewertet.

Unerlaubte Zusammenarbeit? Der Skandal um Datendiebstahl bei der Telekom zieht weitere Kreise
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Unerlaubte Zusammenarbeit? Der Skandal um Datendiebstahl bei der Telekom zieht weitere Kreise
Wer genau die Daten lieferte, dazu äußerte sich Balz indes nicht. Informationen von manager-magazins.de zufolge handelt es sich in einem dieser Fälle um die Mobilfunktochter O2 des spanischen Telekomkonzerns Telefonica Börsen-Chart zeigen. Dies erfuhr manager-magazin.de von mit der Situation vertrauten Personen.

Demnach soll ein T-Mobile-Mitarbeiter seinen eigenen Aussagen zufolge sich Daten eines Verdächtigen von einem Mitarbeiter des Konkurrenten O2 besorgt haben - offenbar auf dem kleinen Dienstweg. Der T-Mobile-Mitarbeiter wie weitere vier Angestellte des Bonner Konzerns sind mittlerweile wegen der Affäre vom Dienst suspendiert.

O2 bestreitet, in den Fall involviert zu sein: "Uns liegt kein Hinweis auf einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz durch einen unserer Mitarbeiter vor. Wenn wir einen konkreten Hinweis hätten, würden wir dem nachgehen", sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber manager-magazin.de. Die Deutsche Telekom selbst wollte sich zu dem Fall nicht äußern und verwies auf die Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft. Auch diese äußerte sich nicht, erste Erkenntnisse könnten Anfang kommenden Jahres bekannt gegeben werden, sagte ein Sprecher der Behörde.

Der Telekom wurden 2006 Daten von 17 Millionen Kunden entwendet, zum Teil wurden auch Geburtsdaten und Adressen anschließend im Internet in kriminellen Kreisen feilgeboten. Um den Datendiebstahl aufzuklären, hatten Telekom-Mitarbeiter die Verbindungsdaten von 20 Personen überprüft. Diese Methoden seien "inzwischen konzernweit geächtet", heißt es bei dem Bonner Konzern.

Solche Methoden waren bei dem Unternehmen aber kein Einzelfall, denn die Telekom wird zeitgleich von einer Spitzelaffäre belastet. Die Telekom hat in den Jahren 2005 und 2006 auch die Verbindungsdaten von mindestens 61 Personen ausgespäht, darunter Journalisten, Aufsichtsräte und Betriebsräte. Pikant dabei: Zwei der Journalisten, deren Verbindungen systematisch überprüft wurden, waren Kunden bei den Konkurrenzunternehmen E-Plus und Netcologne.

Nun liegt es an der Staatsanwaltschaft zu klären, ob Wettbewerber der Telekom Daten tatsächlich weitergereicht haben.

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