Sonntag, 24. Juli 2016

Xing-Chef "Wer nicht online ist, hat verloren"

"Unternehmertum in Deutschland ist noch nicht cool", sagt Lars Hinrichs. Trotzdem hat er sich an diversen Start-ups versucht. Sein Kontaktnetzwerk Open BC, jetzt Xing, brachte ihm den Durchbruch. Hinrichs im Gespräch über sein Leben im Netz, Angela Merkel und die Notwendigkeit, online zu sein.

Frage: Ist es leicht in Deutschland Unternehmer zu sein?

Hinrichs: Das Problem in Deutschland ist, dass Unternehmertum noch nicht cool ist. Es hat nicht diesen Status wie in England, Amerika, Indien oder China. Dort oder in anderen Ländern ist das Bedürfnis nach persönlichem Erfolg stärker ausgeprägt.

Frage: Warum haben Sie vor zehn Jahren zum ersten Mal ein Unternehmen gegründet?

Hinrichs: Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Dadurch wird einem natürlich dieser Weg schon aufgezeigt. In Deutschland wird leider zu viel abgewogen zwischen Chancen und Risiken. Je mehr man über eine Gründung spricht, desto mehr schlägt das Pendel in Richtung Risiko aus. Ich bin jemand, der einfach per se Chancen sieht und sagt: Okay, Risiken können vielleicht vorkommen, aber wenn ich mich auf die Chancen konzentriere, sehe ich die Möglichkeiten, die ich eigentlich habe.

Frage: Ist es durch das Internet einfacher geworden, Unternehmensgründer zu werden?

Hinrichs: Das Internet verändert alles. Mittlerweile haben auch die Letzten begriffen, dass ihr klassisches Geschäft in spätestens zehn Jahren nicht mehr da sein wird. Bei Verlagshäusern beispielsweise heißt in Online investieren deshalb ins Überleben investieren. Wenn ich lese, dass große Verlage heute noch Hunderte von Millionen Euro in die Übernahme von Printmagazinen investieren wollen, dann frage ich mich schon, ob das sinnvoll ist.

Viele niederschmetternde Analysen belegen, dass der klassische Medienkonsum in den einzelnen Altersgruppen deutlich rückläufig ist. Insofern hat sich die Nettoreichweite dramatisch verringert. Die jüngeren Generationen nutzen die konventionellen Medien einfach nicht mehr. Das heißt, dass die Verluste in den nächsten Jahren groß sein werden.

Lars Hinrichs ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Kontaktplattform Xing
Frage: Sind soziale und geschäftliche, virtuelle Netzwerke Erscheinungen des Moments, oder werden sie dauerhaft Bestandteil unseres Lebens?

Hinrichs: Vor 50 Jahren hat jeder sein Leben lang in einem Unternehmen gearbeitet. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Verweildauer, die sie in einem Unternehmen verbringen, immer kürzer geworden. Das heißt, dass die Bedeutung meines Netzwerks und wie ich das Netzwerk manage, wächst. Die Globalisierung findet nicht nur auf Firmenebene statt, sondern auch auf individueller Ebene. Für Xing als Unternehmen bedeuten diese Veränderungen, dass wir die notwendige Infrastruktur für Kontaktmanagement, Karriereplanung und neue Vertriebsmöglichkeiten entwickeln und bereitstellen.

Frage: Müssten Sie dann nicht viel detailliertere Suchkriterien entwickeln, damit das Kontaktmanagement effizienter gestaltet wird?

Hinrichs: Ich glaube, dass das Management von Kontakten noch extrem rudimentär ist. Wir haben ja derzeit nur die Abstufung zwischen: Du bist mein Kontakt oder nicht. Ich glaube, dass es da sehr viele Nuancen gibt, zum Beispiel: Wie gut kenne ich jemanden oder wie wichtig ist diese Person für mich. Oder die Unterscheidung, ob der Kontakt eher privat oder eher geschäftlich ist oder beides. Ein Kontaktmanagementsystem muss ihnen sagen: Sie sind heute in Hamburg. Dieser und jener Freund von Ihnen auch. So ergeben sich Möglichkeiten, einander spontan zu treffen.

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