Mittwoch, 29. März 2017

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Auszeit Die Mutter aller Tamagotchis

Zeit, das Internet zu entdecken: Wie man mit den künftigen Weltherrschern in Kontakt tritt. Wo sich King Kong zur Ruhe gesetzt hat. Und warum früher zumindest nicht alles besser war - die unterhaltsamsten Seiten im Netz.

Dieses Land ist unregierbar. Denn still und heimlich haben die Tamagotchis die Herrschaft übernommen.

  Weltherrschaft ohne Erpressung:  Mehr dazu in Teil 4 dieses Artikels
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Weltherrschaft ohne Erpressung: Mehr dazu in Teil 4 dieses Artikels
Sie erinnern sich? In den 90ern gab es mal diese kleinen Geräte, die sich verhalten sollten wie Haustiere. Die Entwickler deuteten das so, dass die Dinger ständig Bedürfnisse äußern: "Füttere mich", "streichele mich" und so was, reichlich seltsam für einen rechteckigen Pieper mit Schwarz-Weiß-Display. Der Name Tamagotchi wurde aus dem Japanischen übernommen.

Eigentlich dachten wir ja, das sei eine Mode gewesen, eine für Kinder. Schnell verschwand der Blödsinn wieder aus den Läden. Doch der Schein trügt. Heute sind Tamagotchis überall, sie haben nur andere Formen angenommen.

Zum Beispiel die unseres fair gehandelten Kaffeeautomaten im Büro. Vordergründig ein Gerät, das uns viel gibt, nämlich Espresso und Milchschaum auf Knopfdruck. Tatsächlich aber entwickelt sich die Maschine zu einem kleinen Terroristen. Auf den Knopfdruck folgt immer seltener Kaffee und immer öfter das bekannte Tamagotchi-Genöle: "Fütter' mich mit Kaffeebohnen", "streich' den Kaffeesatz aus der Sammelbox", "gib mir eine Reinigungstablette". Dabei nimmt er unseren Kaffee als Geisel, die er erst freilässt, wenn alle Bedingungen erfüllt sind.

Auszeit im Internet
Ohne dass es Ihr Büronachbar merkt, können Sie an Ihrem MySpace-Profil feilen oder bei Ebay steigern. Dank PC sehen Sie dabei aus, als überarbeiteten Sie gerade den jüngsten Marktbericht. Wohin aber schweifen Sie ab, wenn Ihr Hausstand vollständig ist und Sie sich bereits durch das gesamte Angebot von manager-magazin.de geklickt haben? In unserer Reihe "Auszeit" stellen wir Ihnen sehenswerte Websites vor: Pointiertes, Praktisches, Paradoxes.

Übrigens sind wir für Anregungen dankbar. Sollten Sie im Internet auf eine Seite stoßen, die Ihnen passend erscheint, schicken Sie uns einfach den Link. Ihrem Vorgesetzten können Sie das als Geschäftskontakt verkaufen.
Nicht nur in Kaffeemaschinen verstecken sich die kleinen Teufel. Sogar vermeintlich seriöse Familienlimousinen bocken heute wie einst das Kinderspielzeug. So wurde uns der Fall eines VW Passat in einer fränkischen Hofeinfahrt zugetragen. Der Halter wollte das Auto einfach ein paar Meter beiseite rangieren. Mal eben, schnell. Doch statt des Motors startete nur ein Piepen, die Gurtwarnleuchte blinkte: "Begurte mich!"

"Gut", dachte sich der Besitzer, "schnalle ich mich eben an, für zwei Meter Fahrt im Schritttempo." Doch der Wagen sprang partout nicht an. Nach einer geschlagenen Viertelstunde war endlich klar, was das Biest wollte. Auf dem Beifahrersitz stand eine Einkaufstasche, nicht mal zu einem Drittel gefüllt. Als endlich auch die angeschnallt war, gab sich der Pieper zufrieden und warf den Motor an.

Tamagotchis reißen immer mehr Macht an sich. Für die Zukunft sehen wir schwarz. Krankenwagen werden erst vom Unfallort losfahren, wenn eine Versichertenkarte durchgezogen wird. Fallschirme werden erst öffnen, wenn das E-Ticket per Kreditkarte bestätigt ist. Hypothekenkredite werden erst dann gewährt, wenn der Kunde sie auch zurückzahlen kann.

Das Schlimme ist: Wir können nichts dagegen tun. Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Uns bleibt nur, wegzuschauen. Zum Beispiel auf die unterhaltsamen Webseiten, die wir in dieser "Auszeit" vorstellen.

Lassen Sie sich nicht erwischen!

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