Freitag, 23. Juni 2017

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Auszeit Die Mutter aller Tamagotchis

4. Teil: Sehenswürdiges, für Überflieger

Im Garten eines Kraken: "Earth Dots" spielt mit Googles Technik
Im Garten eines Kraken: "Earth Dots" spielt mit Googles Technik

Earth Dots

Selbst wenn von fortgeschrittenen Tamagotchis die Rede ist, handelt es sich eigentlich noch um Kinderkram. Maschinelle Allmacht für Erwachsene hat einen anderen Namen. Er lautet Google. Der Datenkrake weiß, wonach wir im Internet suchen. Und wenn wir all seine Services nutzen, kennt er unsere Korrespondenz, unsere Terminpläne, unsere Fotos und unsere Krankenakten. Google, das ist die Mutter aller Tamagotchis.

Was ist das Geheimnis von Googles Erfolg? Im Gegensatz zu den Minicomputern, die "Fütter' mich" plärren und einfach abkratzen, wenn man es nicht tut, arbeitet Google ohne Erpressung. Niemand nutzt Google-Services, weil er dazu gezwungen würde. Die meisten Angebote der Kalifornier sind einfach gut, man verwendet sie gerne. Zumal sie in der Regel kostenlos sind.

Und so schießen die Internetseiten ins Kraut, die auf Technik von Google zurückgreifen. Eine besonders originelle heißt "Earth Dots". Auch sie, davor sei gewarnt, setzt Google-Software voraus, nämlich den digitalen Globus "Google Earth", mit dem man wie im Flugzeug über unsere Erde fliegen kann (nur schneller).

Weil sich "Google Earth" aus vielen Luftbildern, Fotos also, zusammensetzt, gibt es dort eine Menge zu entdecken. Seien es Sehenswürdigkeiten, die man aus dieser Perspektive nicht kennt, oder Liebende im Kornfeld, die zufällig auf das Foto gelangt sind. "Earth Dots" wiederum ist eine Plattform, auf der Benutzer von "Google Earth" ihre Entdeckungen sammeln.

So liefert "Earth Dots" Antworten auf Fragen wie: "Woher kommen Tokio Hotel? Wo steht das Atomium? Was macht ein Flugzeugträger im Teich?" Eine originelle Weltsicht, übersichtlich nach Themen sortiert, teilweise sogar in Anlehnung an aktuelle Ereignisse (zum Beispiel erste Fotos von Guantanamo).

Da freut sich ein Schreiber über kunstvolle Graffitis in Tucson, ein anderer hat das Hauptquartier von Mattell entdeckt - ganz einfach, weil das Logo auf dem Dach deutlich zu sehen ist. In die Kategorie "Zufälle" gehört die Schlagzeile: "Fasan im Flug fotografiert". Ein Nutzer hat einen Oldtimer auf der Autobahn entdeckt und fragt in die Runde, um welches Modell es sich handeln könnte. Auch eine lebensgroße King-Kong-Nachbildung an einer Tokioter Straße gibt Rätsel auf: Was macht das Monster da? Verbringt es dort seinen Ruhestand?

Und wer weiß, vielleicht findet sich ja auch irgendwo wieder eine fränkische Dorfeinfahrt, in der ein bockendes Passat-Tamagotchi ruft: "Begurte mich!"

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