Mittwoch, 29. März 2017

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Auszeit Die Mutter aller Tamagotchis

2. Teil: Einrichtungen, für Schmerzresistente

Stich in die Augen: Die schlimmsten Interieurs der 70er
Stich in die Augen: Die schlimmsten Interieurs der 70er

Eurobad '74

Fast ist man geneigt zu sagen: Früher war alles besser. Aber wann früher? Vor Erfindung der Handyklingeltöne? Vor dem Sturm der Tamagotchis? Vor den Bismarck'schen Sozialgesetzen? Oder vor der Erklärung der Menschenrechte?

Zumindest sollte man sich darauf einigen können, dass eben nicht alles besser war, wann auch immer. Zugegeben, auch in unseren Reihen sehnt sich mancher zuweilen in die 70er Jahre zurück, als Hosen Schlag hatten, Bettvorleger aus Flokati waren und die Sitze des VW Käfer mit Jeansstoff bezogen wurden. Diverse Disco-Revivals, Tarantino-Filme und Fußballhistorien (Deutschland wurde 1974 Weltmeister) lassen das verträumte Bild einer optimistischen, verrückt bunten Zeit entstehen.

Doch Vorsicht, das Bild ist nicht vollständig. Zumindest was Wohndesign angeht, haben wir viele Sünden jenes Jahrzehnts einfach verdrängt. Schmerzlich fördert sie die kleine Sammlung "Eurobad '74" wieder zutage.

Die Ausschnitte aus Möbelprospekten der 70er reizen mit brüllenden Farben und pulstreibenden Mustern. Alles ist stechend, dort wo es am meisten wehtut, nämlich in den Augen.

Von braunen Blumenfliesen, über dunkelgrüne Holzdecken bis hin zu türkisgestreiften Wandanstrichen - man versteht kaum, wie die schnurrbarttragenden Models noch so gequält grinsen können, anstatt panikartig die Flucht zu ergreifen. Da ist nichts luftig-bunt, wie es die verzerrte Erinnerung an das Jahrzehnt oft vorgaukelt. Im Gegenteil. Die braunen Schrankwände und moosgrünen Küchenoberflächen sind so schwer wie ein Mühlstein am Hals.

Spaß hat an der Sammlung, wer schmerzresistent ist. Folgen Sie dem Link also besser nicht, wenn niemand in Ihrer Nähe ist, der Ihnen helfen könnte. "Eurobad '74" - ein Suhlen in Designs, die Waschzwang auslösen.

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