Sonntag, 28. Mai 2017

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Auszeit Was wirklich wichtig ist

Zeit, das Internet zu entdecken: Wo man gleich in der Nähe einen Schatz findet. Welches Bier auf Knopfdruck nachgeschenkt wird. Und wie man sich elegant aus einer Notlage mit der Notdurft befreit.

Stell' Dir vor, es ist Olympia und keiner dopt. Das funktioniert schon technisch gar nicht. Wie sollte man da noch die Guten von den Besten trennen? Doping ist ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal: Auf dem Sportplatz haben's alle Olympioniken voll drauf. Aber nur, wer auch im Labor olympisch ist, hat sich eine Medaille verdient.

Weiß, wo's zur Toilette geht: Der 18-jährige Christoph Beckmann hat eine Klosuchmaschine programmiert. Mehr dazu in Teil 2 dieses Artikels
Der Siegeszug der Chemie ist nicht aufzuhalten. Inzwischen dopen selbst Pferde. So wurden der Norweger "Camiro" und der deutsche Hengst "Cöster" positiv auf Capsaicin getestet. Beide behaupten, davon nichts gewusst zu haben.

Immer mehr Medien sehen so etwas unverkrampft. Etwa Nachrichtenwebsites, die melden: "Positiv fielen zudem das irische Pferd Lantinus und Chupa Chup aus Brasilien auf." Bitteschön: 2004 in Athen wären die Gäule noch negativ aufgefallen.

Das hält Bedenkenträger nicht vom Bedenkentragen ab. Von diesem Genörgel, mit Doping würde der Sport korrumpiert. Welche Heuchelei! Die Nörgler müssen sich fragen lassen, was ihnen wichtig ist: Ein Sportbürokratismus, der vor den Sieg die Leistung stellt, miefig wie alte Sportmatten in einer Dreifeldturnhalle. Oder ein smartes Leistungsmanagement, das jede greifbare Innovation nutzt, um immer neue Weltrekorde zu organisieren, auch jenseits unserer körperlichen Begrenztheiten. (Während diese Zeilen geschrieben werden, trägt der Autor einen Schuh mit einem rekordverdächtig offenen Schnürsenkel.)

Auszeit im Internet
Ohne dass es Ihr Büronachbar merkt, können Sie an Ihrem MySpace-Profil feilen oder bei Ebay steigern. Dank PC sehen Sie dabei aus, als überarbeiteten Sie gerade den jüngsten Marktbericht. Wohin aber schweifen Sie ab, wenn Ihr Hausstand vollständig ist und Sie sich bereits durch das gesamte Angebot von manager-magazin.de geklickt haben? In unserer Reihe "Auszeit" stellen wir Ihnen sehenswerte Websites vor: Pointiertes, Praktisches, Paradoxes.

Übrigens sind wir für Anregungen dankbar. Sollten Sie im Internet auf eine Seite stoßen, die Ihnen passend erscheint, schicken Sie uns einfach den Link. Ihrem Vorgesetzten können Sie das als Geschäftskontakt verkaufen.
Ja, man muss wissen, was wirklich wichtig ist, um schnell weiterzukommen. Aber dafür sind wir ja da, Ihre Medien.

Nehmen Sie die "Auszeit", die Kolumne, die Sie gerade lesen. Sollen Sie sich wirklich damit ablenken? Am Ende gar die vorgestellten Websites aufsuchen und dort kostbare Zeit verbringen? Und so riskieren, den Zwischenbericht, den Ihnen Ihr Vorgesetzter aufgehalst hat, nicht mehr heute fertig zu bekommen?

Gegenfrage: Was ist Ihnen wirklich wichtig? Der schikanöse Provinzbürokratismus dieses Emporkömmlings, vermufft wie ein vergilbtes Durchschriftexemplar im Vorgangsregister? Oder eine produktive Pause, die die grauen Mauern Ihres Horizonts niederreißt, auf dass ein kreativer Wind Ihr Tagwerk durchlüfte?

Ganz konkret: Heute wird Ihnen eine Schatzsuche geboten, die das Leben im Netz mit der Welt da draußen verbindet. Dazu ein Bier, das weder eine Fahne macht noch Kopfweh. Und der kürzeste Weg zum nächsten Klo. Eben Dinge, die wirklich wichtig sind.

Lesen Sie weiter. Dopen Sie Ihr Hirn. Aber lassen Sie sich nicht erwischen.

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