Sonntag, 19. November 2017

Elektrosmog Das Geschäft mit der Angst

Mit der Angst vor Elektrosmog machen immer mehr zwielichtige Unternehmen fragwürdige Geschäfte. Vor den Strahlen schützen können nur die wenigsten Produkte. Das vermögen dagegen viel banalere Dinge.

Düsseldorf/Salzgitter - Ein kleines Glasgebilde für mehr als 2000 oder ein Baldachin für 600 Euro - das ist viel Geld. Doch manche Menschen zahlen solche Preise bereitwillig, weil sie glauben, dadurch etwas für ihre Gesundheit zu tun.

Produkte gegen Elektrosmog: Meist zu teuer und oft wirkungslos
Solche Produkte sollen den Herstellern zufolge vor "Elektrosmog" schützen. In den meisten Fällen fehlt aber, gelinde gesagt, der Nachweis für die Wirksamkeit. "Viele dieser Produkte helfen gar nicht", sagt Florian Emrich, Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).

Als "Elektrosmog" werden oft verallgemeinernd elektromagnetische Felder (EMF) bezeichnet, wie sie durch Mobilfunk-Sendemasten oder Hochspannungsleitungen erzeugt werden. Aber nicht jeder, der von seinem Fenster aus etwa eine Sendeanlage sehen kann, muss sich aktiv schützen.

"Da müsste es schon knüppeldick kommen", sagt Rolf Buschmann, EMF-Experte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In der Regel liege die Belastung durch EMF weit unter den offiziellen Grenzwerten und meist sogar noch um ein Vielfaches unter den auch von vielen Kritikern geforderten strengeren Grenzwerten.

Bevor jemand viel Geld für Spezialfarbe oder Ähnliches ausgibt, sollte er daher eine Messung vor Ort vornehmen lassen. Irgendein Gerät im Netz zu kaufen und selbst zu messen - davon rät Buschmann ab: "Elektromagnetische Felder können aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen. Woher sie genau kommen, lässt sich mit einem einfachen Messgerät nicht feststellen." Nur ein Fachmann sei in der Lage, die Messergebnisse vernünftig zu deuten. Eine Begehung des Hauses schlägt durchschnittlich mit rund 200 Euro zu Buche. Das ist ein Bruchteil dessen, was viele - womöglich überflüssige - Abschirmmaßnahmen kosten.

Sollte der Fachmann tatsächlich Handlungsbedarf festgestellt haben, kommt es darauf an, um welche Form von EMF es sich handelt. Gegen die niederfrequente Strahlung, wie sie zum Beispiel von Hochspannungsleitungen erzeugt wird, hilft laut Buschmann nur eine räumliche Veränderung - beispielsweise ein Wechsel des Schlafzimmers.

Gegen etwa von Mobilfunk-Sendemasten stammende hochfrequente EMF können zum Beispiel metallhaltige Farben wirken. Aber auch über das Bett gehängte Baldachin mit entsprechendem Gewebe haben eine gewisse Wirkung. "Wichtig ist, dass die Abschirmung vom Fachmann installiert wird", sagt Bernd Rainer Müller von der Umweltschutzorganisation BUND. Passieren beim Abschirmen Fehler, könnte sich die Belastung sogar erhöhen. "Außerdem muss zur Kontrolle der Wirksamkeit auch hinterher gemessen werden."

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