Donnerstag, 22. Februar 2018

Pin/Springer Sanierer Piepenburg übernimmt

Der Springer-Verlag muss aufgrund der Probleme bei dem Postdienstleister Pin 620 Millionen Euro abschreiben. Da man "kein tragfähiges Finanzierungskonzept" finde, sind die Verhandlungen über die künftige Finanzierung von Pin vorerst gescheitert. Wie es weitergeht, bleibt offen.

Berlin - Nach den fehlgeschlagenen Verhandlungen mit dem Mehrheitseigner Axel Springer Börsen-Chart zeigen übernimmt der Sanierungsexperte Horst Piepenburg den Chefposten bei der Pin Group. Piepenburg werde "alle Optionen einer Fortführung der Unternehmensgruppe prüfen", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. "Derzeit laufen alle operativen Geschäfte weiter".

"Alle Optionen prüfen": Sanierer Piepenburg übernimmt bei Pin das Ruder
Neben Piepenburg wurde den Angaben zufolge Hans-Joachim Ziems in den Vorstand des Briefzustellers bestellt. Wie es weiter hieß, gehören Piepenburg und Ziems zugleich dem auf drei Personen verkleinerten Verwaltungsrat nach luxemburgischen Recht an.

Piepenburg übernehme dabei in Personalunion den Vorsitz des Verwaltungsrats. Die bisher in dem Gremium vertretenen Verlage würden ihre Sitze zur Verfügung stellen.

Zuvor waren Verhandlungen über die künftige Finanzierung des Unternehmens vorerst gescheitert. Pin-Hauptgesellschafter Axel Springer teilte mit, im Rahmen einer Pin-Verwaltungsratssitzung am Mittwoch sei deutlich geworden, "dass die Gesellschafter kein gemeinsames tragfähiges Finanzierungskonzept für die Fortführung des Geschäfts der Pin Group gefunden haben."

Springer muss aufgrund der Probleme bei Pin 620 Millionen Euro abschreiben. "Dies wird sich negativ auf den Konzernjahresüberschuss auswirken, nicht jedoch auf das operative Ergebnis, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita)", hieß es in einer Mitteilung des Medienkonzerns. Springer ist bei Pin Mehrheitseigner und verfügt über 63,7 Prozent der Anteile an dem Unternehmen.

Noch im November hatte Springer-Chef Mathias Döpfner erklärt, er rechne nicht mit Abschreibungen wegen des geplanten Mindestlohns. In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der vergangenen Woche räumte Döpfner jedoch ein, das Scheitern des Engagements bei Pin sei seine größte Niederlage. "Jetzt werden gerade bis zu 600 Millionen Euro vernichtet. Das ist bitter", sagte er.

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