Freitag, 23. Juni 2017

Web-2.0-Plagiate Gut kopiert ist halb gewonnen

In den USA funktioniert's, warum nicht auch in Deutschland? Nach diesem Motto der Samwer-Brüder kopieren immer mehr findige Jungunternehmer amerikanische Web-2.0-Plattformen - und sind damit äußerst erfolgreich.

Hamburg - Es kommt einem seltsam bekannt vor. Schon zur Zeit der ersten Gründerwelle im Internet, vor ungefähr acht Jahren, entfielen auf fast jede amerikanische Webidee mehrere deutsche Nachahmer. Man sprach vom "Me-too"-Effekt – was ihr könnt, kann "ich-auch". Junge Onlinekapitäne flogen damals in die USA, schauten sich im Silicon Valley nach Erfolg versprechenden Geschäftsideen um, kehrten nach Deutschland zurück und kopierten sie einfach - meist eins zu eins. Copycats werden solche Klone in Übersee genannt.

Eines der spektakulärsten Beispiele ereignete sich Anfang 1999, als die Samwer-Brüder mit der Auktionsplattform Alando.de an den Start gingen. Alando war ein ziemlich unverhohlener Nachbau von Ebay Börsen-Chart zeigen und wie das amerikanische Unternehmen auf Gebrauchtwarenauktionen spezialisiert. Bereits sechs Monate später reiste ein Ebay-Abgesandter nach Berlin-Kreuzberg und der deutsche Klon wurde - der Legende nach bei einem Nutella-Brot – vom amerikanischen Konzern für 43 Millionen Dollar aufgekauft.

Nach einem weiteren Coup, der den Glücksrittern der New Economy mit dem Klingelton-Imperium Jamba gelang, treten Oliver, Marc und Alexander Samwer heute als finanzstarke Risikokapitalgeber für Start-ups auf. Und setzen dabei auf das alte Prinzip: Was in der neuen Welt Erfolg hat, dafür muss sich die alte nicht zu schade sein.

Gleich serienweise stecken die Samwers als Investoren hinter aktuellen Web-2.0-Plattformen und haben Startkapital etwa in das Studentennetzwerk StudiVZ und die Videoplattform MyVideo gepumpt. Beide Plattformen basieren auf amerikanischen Vorbildern: Kurzfilme und Videos gibt es auch bei YouTube zu sehen, und die studentische Ur-Community nennt sich Facebook.

Das Land der Plagiatoren

Das Land der Dichter und Denker ist heute ein Reich der Nachahmer. Die Reihe an Beispielen für deutsche Webklone ist schier endlos: Die mit 150 Millionen Mitgliedern weltweit größte Onlinecommunity MySpace hat hierzulande eine Reihe naher Verwandter, etwa Unddu.de oder Knuddels.de, und das von Bertelsmann betriebene Portal Bloomstreet.

Aus der Fotocommunity Flickr ist in deutschen Gefilden Photocase geworden. Videoportale nach YouTube-Strickmuster gibt es mit Clipfisch, Sevenload, Citytube und Autsch.de gleich mehrfach, wobei sich die Geschäftsmodelle nur geringfügig unterscheiden.

Der Leipziger T-Shirt-Druckdienst Spreadshirt weist starke Ähnlichkeiten zur US-Plattform Cafepress auf. Die Miniblog-Klone Frazr, Sloggen und Wamadu.de (Was machst du?) ließen sich von Twitter inspirieren. Und der Geschäftsplattform Xing, vormals OpenBC, ist ihre Anlehnung an LinkedIn deutlich anzumerken.

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