21.11.2007
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Großbritannien
Verschwundene CDs verunsichern das Land

Bankdaten, Versicherungsnummern, Adressen: Auf zwei CDs waren die persönlichen Daten von mehr als 25 Millionen Briten gespeichert. Bereits vor mehreren Wochen sind die Datenträger verloren gegangen - sie wurden per Post losgeschickt und seither nie mehr gesehen.

London – Auf den verschwundenen CDs waren die Daten aller britischen Kindergeldempfänger abgespeichert. Sie sollten per Hauspost verschickt werden. Seither sind sie verschwunden – mitsamt Namen, Adressen, Bankverbindungen, Geburtsdaten und den Versicherungsnummern der Kinder. Der Verlust der Datenträger wurde drei Wochen lang nicht bemerkt. Ob sie lediglich verloren gingen oder in die Hände von Betrügern gelangten, ist bislang unklar.

"Sehr ernster Fehler der Behörden": Der britische Finanzminister Alistair Darling steht unter Druck
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REUTERS

"Sehr ernster Fehler der Behörden": Der britische Finanzminister Alistair Darling steht unter Druck

Der verantwortliche Finanzminister Alistair Darling musste gestern vor dem britischen Unterhaus einen beispiellosen Fall von Schlamperei seiner Behörden zugeben. Der Politiker wand sich: "Die Polizei sagte mir, dass sie keinen Grund habe anzunehmen, diese Daten hätten den Weg in falsche Hände gefunden."

Kein Betrüger könne mit Hilfe der passwortgeschützten CDs Konten plündern. Trotzdem wurden die Bürger aufgerufen, in Zukunft genau die Bewegungen auf ihren Konten zu beobachten. Eine Telefonhotline wurde eingerichtet. Zudem wurde garantiert, dass niemandem ein finanzieller Schaden entstehe, wenn doch etwas passiert. Der Leiter der Steuerbehörde trat zurück.

Darling geriet im Parlament mächtig unter Druck. "Lassen Sie uns klar werden über das Ausmaß dieses katastrophalen Fehlers", sagte der konservative Spitzenpolitiker George Osborne. Das "halbe Land" sei nun in Sorge um die Sicherheit der Familien, "und das halbe Land fragt sich, wie um alles in der Welt konnte die Regierung so etwas passieren lassen?" Damit habe sich das Projekt der Regierung, eine Datenbank mit den persönlichen Daten aller Briten aufzubauen, wohl erledigt, sagte Osborne - weil man dieser Regierung ja "schlicht nicht die persönlichen Daten der Leute anvertrauen könne".

Wie es überhaupt sein könne, dass die Behörde solch sensible Daten noch auf CD abspeichere, diesem "Museumsstück" von Datenträger, fragten Abgeordnete. Darling entschuldigte sich in seinem Statement ausführlich für den "sehr ernsten Fehler" der Behörden. Junge Beamte hätten schlicht Sicherheitsvorkehrungen missachtet, als sie die CDs am 18. Oktober über das interne Postsystem der Behörde verschicken wollten, das vom Kurierdienst TNT betrieben wird. "Der Versand wurde nicht aufgenommen oder registriert", sagte Darling. Nun solle eine Untersuchungskommission den Vorfall überprüfen.

Auch Darling persönlich ist unter Druck. Eine Sprecherin von Premier Gordon Brown fühlte sich schon bemüßigt zu erklären, er genieße das "volle Vertrauen" des Regierungschefs - und fügte hinzu, der Finanzminister habe nicht seinen Rücktritt angeboten.

SPIEGEL ONLINE/ap

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