Donnerstag, 22. Februar 2018

Management Führung 2.0 und der intelligente Schwarm

Mit Hilfe von Web-2.0-Technologien soll das klassische Unternehmen zum Enterprise 2.0 mutieren. Doch ganz so simpel funktioniert die kollektive Glücksformel nicht. Dem CIO fällt dabei die komplexe Aufgabe zu, im Management die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen.

Hamburg - Was bitte ist ein Enterprise 2.0? Angelehnt an die Wortschöpfung von Andrew McAfee, Associate Professor an der Harvard Business School, verstehen Experten darunter neuartige IT-Werkzeuge, die zumeist aus der Consumer-Welt stammen, und die jetzt über Web-2.0-Technologien und die IT-Konvergenz den Eingang in den Alltag der Unternehmen finden.

Vom Web 2.0 zur Firma 2.0: Was macht ein Unternehmen der Marke 2.0 wirklich aus?
[M] manager-magazin.de
Vom Web 2.0 zur Firma 2.0: Was macht ein Unternehmen der Marke 2.0 wirklich aus?
Unter den Vordenkern der Vision eines interaktiven Businesswebs, in dem sich die Nutzer zu virtuellen Unternehmen zusammenschließen, geht bislang angesichts einer regelrechten Marketingschlacht um die intelligentesten Begriffsschöpfungen ein Aspekt verloren, nämlich was ein Unternehmen der Marke 2.0 tatsächlich ausmacht.

"Um das richtig umzusetzen, sind nicht die Mitarbeiter zu schulen, sondern eher das mittlere Management", gibt Michael Koch, Professor für Programmierung kooperativer Systeme, von der Fakultät für Informatik an der Universität der Bundeswehr in München zu bedenken. In der Diskussion könne es nicht nur um technische Werkzeuge gehen, sondern darum, wie Menschen im Unternehmen miteinander kommunizieren, sagt IT-Berater und Blogger Robert Basic.

Was ist Management 2.0?

Während an der Basis eifrig debattiert wird, wo der Hebel am besten anzusetzen sei, unterscheiden sich auch die Vordenker durch kleine, aber feine Nuancen. Web-Vordenker Tim O'Reilly sieht analog zu seiner kompakten Neuformulierung vom Web 2.0 den Netzwerkeffekt und die Nutzung kollektiver Intelligenz im Vordergrund. Demzufolge wird ein System auch im Unternehmenskontext besser, je mehr Menschen es benutzen.

Harvard-Business-Professor McAfee stellt hingegen im Enterprise 2.0 eine um soziale Softwarelösungen erweitere Plattform heraus, die die Akteure innerhalb oder zwischen Unternehmen vernetzt, sowie als erweitertes Bindeglied zu Partnern und Kunden fungiert. Für erfolgskritisch hält der Experte dabei die freie Rollengestaltung der Identitäten und Arbeitsprozesse.

Spielt man die neue Gedankenwelt weiter durch, dann schält sich durch die zunehmende Verbreitung von Web-2.0-Technologien und den Wandel in Richtung Enterprise 2.0 geradezu zwangsläufig eine neue Landkarte für die Führungskräfte heraus. Aber auch hier fehlen bislang schlüssige Definitionen, welche Kernelemente den Begriff Management 2.0 ausmachen könnten.

Hingegen gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl an Theorien für Managementsysteme. Geläufig sind Konzepte wie die Matrix-Organisation, ein zentrales Führungssystem, das linienförmig aufgebaut ist und auf Weisungen basiert. Genau dieses könnte jetzt durch Web-2.0-Technologien nach und nach ausgehebelt werden.

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