Mittwoch, 28. Juni 2017

Wikipedia-Konkurrenz Mitgründer will alles besser machen

Ein Mitgründer des Internetlexikons Wikipedia, Larry Sanger, will in wenigen Tagen ein eigenes Internetlexikon starten: Citizendium. Durch mehr Kontrolle und eine verstärkte Einbindung von Aufpassern will er ein besseres Wikipedia schaffen.

Hamburg - "Ich war immer ein großer Wikipedia-Fan und bin es noch heute", schreibt Larry Sanger auf der Webseite citizendium.org. "Aber ich möchte helfen, dass etwas Besseres entsteht, sofern das möglich ist." Sanger ist wie Jimmy Wales Mitgründer von Wikipedia. Er hatte seine Pläne für ein "besseres Wikipedia" schon im September in Berlin auf der Konferenz "Wizards of OS 4" vorgestellt. Der "Financial Times" zufolge bekommt er finanzielle Unterstützung von einer nicht genannten Stiftung.

Wikipedia-Gründer Sanger: "Die letzten Artikel repräsentieren keinen Konsens mehr"
Wikipedia-Gründer Sanger: "Die letzten Artikel repräsentieren keinen Konsens mehr"
Sanger will die Inhalte von Citizendium zuverlässiger machen, unter anderem durch Zwangsregistrierung für Autoren, die verstärkte Einbindung von Experten und Aufpasser, die die Einhaltung der Spielregeln überwachen. Die Seite soll in den kommenden Tagen starten - zunächst nur für einen eingeschränkten Nutzerkreis.

Wikipedia war wiederholt wegen schwerwiegender Fehler in einzelnen Artikeln in die Schlagzeilen geraten - unter anderem wurde dem US-Journalisten John Seigenthaler eine Verwicklung in die Ermordung von John F. Kennedy unterstellt. Und Anfang August hatte ein Fernsehkomiker seine Zuschauer dazu aufgerufen, Wikipedia-Texte zu verändern.

Trotzdem soll Citizendium viele Gemeinsamkeiten mit Wikipedia haben: Es soll die gleiche Wiki-Software nutzen, ebenfalls kostenlos und frei von Werbung sein und derselben GNU-Lizenz unterliegen. Das ist auch nötig, denn Sanger will zum Start einfach sämtliche Artikel aus Wikipedia übernehmen - und diese nach und nach prüfen und überarbeiten lassen.

Abkupfern ausdrücklich erlaubt

Die GNU-Lizenz erlaubt ausdrücklich das Übernehmen von Inhalten aus Wikipedia in andere Publikationen. Allerdings müssen die Inhalte dort dann ebenfalls unter der GNU-Lizenz stehen. Theoretisch könnten Wikipedianer deshalb die für Citizendium überarbeiteten Texte sogar wieder in ihre Online-Enzyklopädie übernehmen.

Sanger hält das Projekt Wikipedia zwar nicht für gescheitert. Allerdings glaubt er nicht, dass die Community ihre Probleme lösen kann. "Die Community setzt ihre eigenen Regeln nicht effektiv und konsistent durch", sagt Sanger. Die weit verbreitete Anonymität ziehe Leute an, die Ärger machen wollen.

Außerdem hätten sich die führenden Köpfe der Community abgeschottet. Neue Mitglieder hätten es deshalb schwer, Teil der Community zu werden, unabhängig von ihren Fähigkeiten. Sanger beklagt: "Die schlecht funktionierende Community schreckt die potenziell nützlichsten Mitglieder ab: Akademiker." Der "Financial Times" sagte er: "Die letzten Artikel repräsentieren keinen Konsens mehr." Tendenziell gäben sie die Meinung jener wieder, die besonders hartnäckig Texte editieren.

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