Donnerstag, 22. Februar 2018

Vodafone Thomas Geitner schmeißt hin

Vorstand Thomas Geitner scheidet zum Jahresende aus der Konzernspitze von Vodafone aus. Anhaltende Differenzen mit Vorstandschef Arun Sarin sollen den Ausschlag für Geitners Entscheidung gegeben haben. Der nötige Rückhalt des Konzernlenkers habe ihm bei wichtigen Projekten gefehlt.

Hamburg - Völlig überraschend gibt Thomas Geitner (51), im Vorstand des britischen Mobilfunkers zuständig für "Neue Geschäfte und Innovation", seine Position auf. Geitner, seit Mai 2000 im Vodafone-Vorstand, ist im laufenden Jahr bereits der dritte Spitzenmanager, der frustriert seinen Posten aufgibt. Sowohl Chief Technology OfficerTim Miles (48) wie auch Europa-Chef Bill Morrow (46) quittierten vor wenigen Monaten den Dienst.

Dritter Vorstand, der 2006 zurücktritt: Thomas Geitner
Während Konzernchef Arun Sarin offiziell Geitners Rücktritt bedauert, wissen Insider von anhaltenden Differenzen zwischen Sarin und Geitner.

Der Deutsche, so heißt es aus Kreisen potenzieller Kooperationspartner, habe von seinem CEO nicht den nötigen Rückhalt bekommen, um den geplanten Ausbau des Konzerns vom reinen Mobilfunker zu einem integrierten Anbieter von Mobilfunk-und Breitbandanschlüssen voranzutreiben. Einzig in Deutschland konnte Geitner dank der Vodafone-Tochter Arcor das Konzept eines Vollanbieters umsetzen.

Kritik an hektischem Umbau auf drei Geschäftsfelder

Der derzeitige Chef der Festnetztochter Arcor, Harald Stöber (54), der bislang an Geitner berichtet, wird nach dessen Abgang an den deutschen Vodafone-Chef Friedrich Joussen (43) berichten.

Umbau: Arun Sarin löst nach Geitners Abgang dessen Geschäftsfeld auf
Erst im Mai hatte Arun Sarin auf Druck von Finanzinvestoren den Konzern umgekrempelt und auf die drei Geschäftsfelder Europa, Schwellenländer und "New Businesses" ausgerichtet. Interne Kritiker bemängelten den hektischen Umbau, dem offenbar keine langfristige Strategie zugrunde lag. Geitner, zuvor Chief Technology Officer des Konzerns und Initiator des Portals "Vodafone live", sollte im Zuge des Revirements neue Geschäftsfelder erschließen und Partnerschaften knüpfen. Doch de facto mangelte es ihm an Unterstützung durch Sarin, seine Projekte mit neuen Partnern in den verschiedenen Ländern umzusetzen.

Der seit Monaten unter Beschuss stehende Konzernlenker will nun Vodafone Börsen-Chart zeigen erneut restrukturieren. Geitners Geschäftsfeld wird aufgelöst und den operativen Einheiten zugeschlagen. Dies bedeutet einen deutlichen Machtzuwachs für den seit 9. Oktober amtierenden Europa-Chef und Konzern-Vize Vittorio Colao (44) wie auch für Paul Donovan (47), der für Wachstumsmärkte wie Osteuropa, Asien und Südafrika zuständig ist.

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