Montag, 11. Dezember 2017

SAP Betriebsrat wider Willen

Jahrelang hatten sich Arbeitgeber und Belegschaft bei SAP gegen einen Betriebsrat gewehrt, doch nun verfügt auch der letzte der 30 Dax-Konzerne über eine eigenständige Arbeitnehmervertretung. Eine gewerkschaftsnahe Liste konnte sich drei Sitze sichern, der Rest der 37 Mitglieder sind Unabhängige.

Walldorf - Die erste Wahl eines Betriebsrats in der 34-jährigen Unternehmensgeschichte des Softwarekonzerns SAP Börsen-Chart zeigen ist auf reges Interesse gestoßen. Knapp 65 Prozent der Beschäftigten gaben am Mittwoch ihre Stimme ab, wie das Unternehmen mitteilte. In Deutschland waren rund 10.800 Mitarbeiter dazu aufgerufen, unter mehr als 400 Kandidaten auf zehn Wahllisten die Mitglieder der Arbeitnehmervertretung zu küren.

Premiere: SAP-Mitarbeiter haben den ersten Betriebsrat in der 34-jährigen Unternehmensgeschichte gewählt
Seit der Gründung des Unternehmens 1972 hatten Vorstand und Belegschaft einen Betriebsrat stets abgelehnt. Bisher hatten acht Arbeitnehmervertreter im 16-köpfigen Aufsichtsrat die Interessen der Belegschaft vertreten. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz ist ab fünf ständig Beschäftigten eine organisierte Arbeitnehmervertretung vorgesehen.

Mit 16 Betriebsrats-Mitgliedern stellt die Liste "Wir für Dich" künftig die meisten der insgesamt 37 Arbeitnehmervertreter. Die Liste "MUT" kam auf elf Plätze, "Die Unabhängigen", "ABS" und "Pro Betriebsrat" auf jeweils drei.

In der Liste "Pro Betriebsrat" waren - neben Mitgliedern der IG Metall und der Gewerkschaft Verdi - drei Beschäftigte angetreten, die die Wahl gegen den Widerstand ihrer Kollegen durchgesetzt hatten. Einen Betriebsrat stellt "TEAM", vier Listen dürfen kein Mitglied in das Gremium entsenden. Mit 37 Mitgliedern, von denen 12 dauerhaft freigestellt werden, ist der SAP-Betriebsrat so klein wie gesetzlich nur irgend möglich.

Gewerkschaften kämpften für einen Betriebsrat

Der Betriebsratswahl bei SAP waren jahrelange vergebliche Versuche der Gewerkschaften IG Metall und Verdi vorausgegangen, die bei nahezu allen Großunternehmen übliche gesetzliche Arbeitnehmervertretung zu installieren. Die Mehrheit der Belegschaft hatte sich stets gegen diese Form der Mitbestimmung ausgesprochen. Im Frühjahr votierten noch rund 91 Prozent der deutschen Beschäftigten gegen eine Betriebsratswahl.

Auch der SAP-Vorstand hat sich lange gegen die Einrichtung eines Betriebsrates gewehrt und auf eine besondere Firmenkultur und die acht Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat verwiesen.

Anfang März drohten drei SAP-Beschäftigte mit Unterstützung der Gewerkschaft IG Metall, die Betriebsratswahl gerichtlich zu erzwingen, da sie die Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat als ungenügend ansahen. Die juristische Niederlage vor Augen, nahmen die acht Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat die Vorbereitung der Wahl daraufhin selbst in die Hand. Der Vorstand verzichtete auf Gegenmaßnahmen.

Weltweit arbeiten rund 36.000 Mitarbeiter für SAP. In Deutschland beschäftigt der Konzern rund 14.000 Menschen, wovon jedoch nur die Beschäftigten der SAP AG wahlberechtigt sind.

dpa/reuters

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