Montag, 29. Mai 2017

Dialer Wie man sich vorm 0900-Nepp schützt

Wer kennt ihn nicht, den aufdringlichen kleinen Kasten? Ungefragt poppt er in der Bildschirmmitte auf und verlangt ein harmloses "OK" - worauf sich der Preis der Internetverbindung ebenso ungefragt vervielfacht. Nutzern kommt das kriminell vor, verboten ist diese Praxis aber nicht: Ein Grund mehr, sich vor "Dialern" zu hüten.

Hamburg - Wochenlang hatte sich die werdende Mutter überlegt: Welchen Namen soll unser Kind bekommen? Schließlich ging sie ins Internet und landete über eine Suchmaschine bei der in Zartrosa gehaltenen Website vornamen.de, wo unter zwei süßen Babyfotos die Top 100 der Vornamen versprochen werden.

Teuer, aber nicht illegal: Die Dialer-Seiten schießen weiter ins Kraut
Nach einem Mausklick forderte ein Pop-up-Fenster die Zustimmung zur Nutzung des "Premiumbereichs". Daraufhin musste noch einmal ein "Ja" angeklickt und wieder ein "OK" eingegeben werden. Stutzig wurde die Besucherin der Web-Site erst, als ein "Anwählprogramm" installiert wurde.

Doch da war es schon zu spät. In der nächsten Telefonrechnung wurden 25,28 Euro für eine drei Sekunden dauernde Verbindung zu einer 0900-Nummer abgebucht. Erfahrene Internet-Nutzer sehen darin vielleicht die Quittung für ein naives Verhalten. Aber nach Auskunft der Regulierungsbehörde für Post- und Telekommunikation (RegTP) fallen nach wie vor tausende Menschen auf solche Dialer-Geschäfte herein. Allein 2004 habe es rund 50.000 Beschwerden gegeben, sagt Behördensprecher Rudolf Boll.

Dabei verstoßen die Dialer-Schleudern bislang nicht gegen geltendes Recht. Der gesetzlich vorgeschriebene Hinweis auf entstehende Nutzungskosten taucht bei vornamen.de bereits auf der Startseite auf. Allerdings versteckt sich der Hinweis am untersten Rand der Seite: "Dieses Angebot ist nicht geeignet für Personen unter 18 Jahren. (29,95/call aus Deutschland)".

Dialer kassieren für "Mehrwertdienste"

Auch das ist nicht illegal: Das deutsche Recht beschränkt die Kosten für die Einwahl in einen "Mehrwertdienst" auf pauschal 30 Euro (respektive 2 Euro pro Minute bei zeitabhängiger Abrechnung). Alles darunter mag den wohl meist unfreiwilligen Kunden kriminell vorkommen, ist es aber nicht. Der Versuch, ein härteres Recht durchzusetzen, war am Widerstand der Opposition im Parlament gescheitert.

Also geht es munter weiter, mit kostenpflichtigen Mehrwert-Angeboten zu jedem erdenklichen Thema: Ähnlich wie bei vornamen.de verhält es sich bei den Web-Sites hausaufgaben.de und referate.de, die Hilfen für Schüler, Eltern und Lehrer versprechen. Wenn man sich weiter klickt, landet man aber bei kostspieligen Einwählprogrammen.

Gleiches gilt für die Domain malvorlage.de, die "geeignete Malvorlagen für Ihr Kind" anpreist. Unter den ähnlich gehaltenen Sites wohnung.de und pflanzen.de wird sogar eine Vergütung für die Anwerbung weiterer Dialer-Kunden in Aussicht gestellt, die interessante Aufschlüsse über das Geschäft gibt.

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