Montag, 26. September 2016

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Jamba-Interview "Wir waren Idioten, als wir an Ebay verkauft haben"

Jambas Klingeltonfigur Sweetie nervt zwar viele Handynutzer, aber sie ist der wohl erste kommerzielle Cartoonstar des Mobilfunks. Im Interview äußert sich Jamba-Chef Oliver Samwer über Kostentransparenz, wütende Blogger, den Ebay-Fehler und seine weiteren Pläne.

Frage:

Herr Samwer, welches Ihrer Handytiere verkauft sich zurzeit am besten? Ist Sweetie das Küken bereits passé?

  "Wenn einer sagt, er findet uns zum Kotzen, dann soll er das eben sagen."  Oliver Samwer
"Wenn einer sagt, er findet uns zum Kotzen, dann soll er das eben sagen." Oliver Samwer
Samwer: Im Moment halten sich Sweetie und Partybiene die Waage. Sweetie hat seinen Zenith allerdings überschritten, deshalb werden wir zur Cebit eine neue Figur präsentieren. Die haben wir in den vergangenen Monaten entwickelt.

Frage: Ganz schön viel Aufwand für einen Klingelton.

Samwer: Die Entwicklung dieser Charaktere dauert, weil zum Beispiel die 3-D-Animationen sehr komplex sind. Aber Klingeltöne mit einer Story verkaufen sich einfach besser als ein schlichtes Pieppieppiep. Bilder und Filme laden die Figur mit Emotionen auf.

Frage: Apropos Emotionen - hatten Sie erwartet, dass Sweetie so eine Hasswelle auslöst? Dass ihre Figur im Netz dermaßen durch den Wolf gedreht wird?

ZUR PERSON
Oliver Samwer (31) studierte Business Administration an der WHU Koblenz, der Kellogg Graduate School of Management (Illinois) sowie der Universität von Santiago de Chile. Nach dem Studium war er Trainee bei der Investmentbank Salomon Oppenheim in Frankfurt am Main.

Früh entschied er sich, zusammen mit seinen Brüdern Marc und Alexander ein Unternehmen zu gründen. Im Januar 1999 starteten die Samwers Alando.de, einen deutschen eBay-Klon. Später verkauften sie ihr Unternehmen für 50 Millionen Dollar an eBay. Nach wenigen Monaten verließen die Samwers Alando.de und gründeten im August 2000 die Jamba! AG.

Mitte 2004 übernahm der US-Konzern Verisign das Berliner Unternehmen für 273 Millionen Dollar, was die "B.Z." zu der Schlagzeile "Hurra, wir sind REICH!" veranlasste. In Champagner, Rolexuhren und Sportwagen haben Oliver Samwer und seine Brüder ihr Vermögen dem Vernehmen nach bisher nicht angelegt. Die Jungunternehmer gelten als sparsam und unprätentiös.
Samwer: Wir haben mit Sweetie auf den Trend süß und niedlich gesetzt - er hat ja auch so eine Kinderstimme. Und klar, wenn Sie dieses Thema stark betonen, dann finden es ein paar 21-Jährige lustig, im Internet Bilder herumzuschicken auf denen Sweetie zerfleischt wird oder auf denen das Metzgermesser da durch geht. Das war übrigens recht gut gemacht, rein grafisch gesehen.

Frage: Wie geht man damit um, wenn einem solch eine Wut entgegenschlägt?

Samwer: Ich muss ganz ehrlich sagen, wir haben einen Riesenerfolg mit dem Produkt, wir haben ganz bekannte Stofftierproduzenten, die hier bei uns anrufen und sagen, wir wollten Sweetie in Serie produzieren. Oder Firmen die dazu eine CD machen wollen. Sweetie hat für uns gewissermaßen die Bedeutung wie Harry Potter für die Buchindustrie. Und wenn ich auf der anderen Seite 100.000 Menschen habe, die Sweetie kaufen und 2000, die das Küken zum Metzger schicken, da sage ich ganz ehrlich: Damit leb' ich. Das ist eben die Kultur des Internets. Außerdem zeigt es doch, dass wir ein Phänomen geschaffen haben.

Frage: Auf MTV oder Viva konnte man Sweetie mit seiner Gesangsnummer zeitweise bis zu 150-mal am Tag sehen. Finden Sie das nicht total übertrieben?

Samwer: Nein, das hat damit zu tun, dass wir eine sehr schnelllebige Branche sind. Bei uns hält sich keine Melodie drei Monate lang in den Charts wie bei der klassischen Musikindustrie. Das läuft vier Wochen und dann ist es durch. Das heißt für uns, dass wir ganz klar darauf setzen, dass in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Leute unser Produkt sehen.

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