Mittwoch, 24. Januar 2018

United Internet Aufstand gegen die Telekom

Die Klage über die Deutsche Telekom ist laut und heftig: Tausende Anträge auf DSL-Anschlüsse für Kunden seien viel zu lange unbearbeitet geblieben. Jetzt will der Web-Anbieter United Internet, Mutter von GMX und 1&1, ein eigenes DSL-Netz aufbauen.

Montabaur - Der Web-Dienstleister United Internet Börsen-Chart zeigen will in Sachen DSL-Leitungen in den Wettbewerb mit der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen eintreten. "Wir werden in Kürze mit dem Aufbau einer eigenen DSL-Infrastruktur in Ballungszentren beginnen", sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth dem "Handelsblatt". United Internet habe mit rund einer Million Kunden die "notwendige Größe" erreicht.

  Kritische Größe erreicht:  United Internet zählt bislang rund eine Million DSL-Kunden
manager-magazin.de
Kritische Größe erreicht: United Internet zählt bislang rund eine Million DSL-Kunden
Marcus Schaps, Sprecher von United Internet, sagte gegenüber manager-magazin.de, dass der Aufbau einer eigenen Infrastruktur schon immer Thema gewesen sei. Doch es sei klar gewesen, dass zunächst eine kritische Größe habe erreicht werden müssen. Nun hätten Testläufe in Karlsruhe ergeben, dass das Unternehmen den Aufbau eines eigenen Netzes schaffen könne.

Dommermuth bezifferte die dafür notwendige Investitionssumme auf zunächst 30 Millionen bis 50 Millionen Euro. Nur dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll sei, werde ein eigenes Netz eingerichtet werden, unterstrich der Sprecher. Noch nicht fest steht, in welchen Ballungsräumen der Dienstleister tätig werden möchte. Ebenfalls offen ist, ob auch über Kooperationen mit regionalen Anbietern, wie beispielsweise Netcologne, Arcor oder Hansenet, nachgedacht wird.

United Internet verkauft bislang nur DSL-Anschlüsse der Telekom weiter. Eigenen Angaben zufolge zahlt das Unternehmen in diesem Jahr an den Bonner Konzern rund 150 Millionen Euro für die Nutzung der Netzinfrastruktur. Nun wolle sich United Internet von den Netzleistungen des unbestrittenen Marktführers unabhängiger machen.

Ärger mit der Telekom

Einer der Gründe hierfür ist, dass die Telekom nach Ansicht der Konkurrenten neue DSL-Anschlüsse nur mit langen Verzögerungen einrichte. "Rund 50.000 DSL-Bestellungen sind allein von uns in den EDV-Systemen der Telekom hängen geblieben", sagte Dommermuth.

Auch andere Wiederverkäufer von DSL-Anschlüssen der Telekom (Resale-Verkäufer), wie beispielsweise Freenet Börsen-Chart zeigen und Arcor, klagen über Probleme. "Wir werden seit Wochen vertröstet, weil die Telekom nicht in der Lage ist, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen", sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr dem "Handelsblatt". Der Vorstandsvorsitzende sprach dabei von "systematischer Rufschädigung."

Laut Branchenkreisen warteten insgesamt bis zu 120.000 Kunden auf ihre teilweise vor Monaten bestellten Anschlüsse für den schnellen Internetzugang. Die Telekom-Tochter T-Com räumte laut der Zeitung Probleme ein. Man arbeite derzeit mit Hochdruck an Lösungen, sagte ein T-Com-Sprecher.

Nach den USA kommt Asien

Während United Internet in Deutschland am Aufbau einer eigenen Infrastruktur arbeitet, erwägt die Tochter 1&1 Internet in den pazifischen Raum zu expandieren. Vier Märkte in dieser Region seien interessant, sagte 1&1-Vorstandschef Andreas Gauger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dazu zählten Japan, China, Korea und Australien.

Den Markteintritt in den USA im vergangenen Jahr bezeichnete Gauger als erfolgreich. Inzwischen habe 1&1 rund 120.000 zahlende Kunden, bis Ende des Jahres könnten es 250.000 werden. Die Gewinnschwelle solle im kommenden Jahr erreicht werden. Der Schwerpunkt der Expansion liege derzeit aber weiterhin auf den USA, sagte Gauger weiter: "Erst wenn wir unsere Marktposition in Amerika weiter ausgebaut haben, könnte Asien für uns interessant werden."

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