Dienstag, 17. Oktober 2017

Werbeblocker Noch kann die Fee nicht zaubern

Vor einigen Wochen entschied der Bundesgerichtshof, dass das Unternehmen TC Unterhaltungselektronik entgegen der Auffassung von RTL den TV-Werbeblocker Fernsehfee vertreiben durfte. Seitdem feiert die Firma ihren Erfolg und die Anleger träumen von einer sonnigen Zukunft. Allerdings finden dabei einige Details zu wenig Beachtung.

Hamburg - Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Weisheiten, die Vorstand und Anleger der TC Unterhaltungselektronik AG (TCU) derzeit offenbar eher in den Hintergrund gestellt haben. Stattdessen zieht man es vor, den Erfolg gegen RTL vor dem BGH in Sachen Fernsehfee als "den großen Durchbruch" für die TCU zu verstehen.

Werbeblocker: Petra Bauersachs' Durchbruch auf Zeit
Das höchste deutsche Zivilgericht hatte Ende Juni nach langjährigem Rechtsstreit verkündet, dass der Vertrieb der Fernsehfee entgegen der Auffassung von RTL nicht rechtswidrig gewesen ist. Bei der Fernsehfee handelte es sich um eine Set-Top-Box, die in der Lage war, sobald in einem Fernsehprogramm die Werbung begann, automatisch auf einen werbefreien Sender zu wechseln, oder die Videoaufzeichnung des gewählten Fernsehprogramms für die Dauer der Werbung zu unterbrechen.

In den Ad-Hoc-Meldungen, die auf das BGH-Urteil folgten, verkündete die TCU, dass nun eine Einführung der ebenfalls von der Koblenzer Firma produzierten Tivion-Lösung, die mittlerweile in TVOON umbenannt wurde, in den deutschen Markt konsequent ab Oktober 2004 erfolgen könne und diese auch bereits durch langfristige Produktionsabkommen abgesichert sei.

Zweifel sind angebracht

Slowenische Arbeiter schrauben nach Angaben der TCU derzeit bereits an den ersten 3000 Exemplaren der TVOON-Lösung. Später wolle man monatlich 30.000 Stück absetzen. Die Anleger haben sich von der BGH-Entscheidung regelrecht euphorisieren lassen: Die Kurse des Koblenzer Unternehmens, die wenige Wochen vor dem Urteil noch bei 60 Cent notierten, schossen kurz nach der Urteilsverkündung auf über sieben Euro.

Die Hochstimmung sollte allerdings die Anleger nicht dazu verführen, vier wichtige Details in den Hintergrund zu stellen:

Erstens hat RTL bereits angekündigt, die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde gegen das Fernsehfee-Urteil des BGH zu prüfen. Wenn man bedenkt, dass unter Rundfunkrechtlern auch die Finanzierungsgrundlagen der Privatsender vom Schutz der in der Verfassung verankerten Rundfunkfreiheit umfasst angesehen werden, erscheint ein entsprechendes Vorgehen des Kölner Senders keinesfalls aussichtslos.

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