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04.03.2004
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Linux
SCO verklagt DaimlerChrysler

Von Alexandra Knape

Damit hatte wohl niemand gerechnet. Das Software-Unternehmen SCO will DaimlerChrysler verklagen. Der Vorwurf: Der Autokonzern verletze die Nutzungsbestimmungen für das Unix-Betriebssystem. Nun soll ein Musterprozess folgen.

Detroit - Es ist ein Hauen und Stechen. Die Software-Schmiede SCO aus den USA hat zum Kampf gegen Linux- und Unix-Nutzer geblasen. IBM ist schon verklagt. Auch an die Kunden der Software-Firmen will das Unternehmen ran. Für diesen Donnerstag hatte SCO angekündigt, das Geheimnis zu lüften, welche Firmen es treffen wird beziehungsweise gegen welches Unternehmen eine Musterklage angestrengt wird.

DaimlerChrysler unter Beschuss: SCO klagt gegen Unix-Nutzer
DPA

DaimlerChrysler unter Beschuss: SCO klagt gegen Unix-Nutzer

Am Mittwochmorgen hieß es, SCO zerre das US-Unternehmen Autozone, nach eigenen Angaben Amerikas größter Einzelhändler für Autoteile und -zubehör, vor den Kadi. Schon lächelten Branchenbeobachter, SCO traue sich nicht an einen großen Konzern heran. Doch weit gefehlt. Am Nachmittag verlautbarte SCO, dass es den Konzern DaimlerChrysler Chart zeigen sowie Autozone verklagt. Der Vorwurf: Der Autokonzern habe die Nutzungsbestimmungen für das Unix-Betriebssystem verletzt.

"Da kämpft David gegen Goliath und zieht alle Register, um in der Presse zu bleiben", kommentierte ein Branchenkenner. Das Ziel aber sei eindeutig, meinen SCO-Gegner: Die Linux-Branche und die Nutzer verunsichern.

SCO teilte unterdessen mit, dass die Klage vor dem Oakland County Circuit Court im Bundesstaat Michigan eingereicht wurde. Per einstweiliger Verfügung wolle das Unternehmen erreichen, dass DaimlerChrysler, seines Zeichens Linzenzkunde von SCO, bestätigt den Unix-Code zu verwenden. In der Stuttgarter Zentrale ist die Klage noch nicht eingegangen. "Kein Kommentar", heißt es deshalb auch offiziell gegenüber manager-magazin.de.

Zum Hintergrund: Vor einigen Monaten verklagte SCO den Branchenriesen IBM Chart zeigen. SCO behauptet, der Computerkonzern verstoße gegen einen geschlossenen Vertrag zur Unix-Nutzung. IBM habe bestimmte Teile des Programmcodes unrechtmäßig weiterentwickelt. Ähnliches vermutet SCO auch bei DaimlerChrysler. IBM und Red Hat haben mittlerweile ihrerseits SCO verklagt. Novell besteht darauf, bestimmte Rechte an Unix zu besitzen. Das Unternehmen habe selber Unix-Rechte an SCO verkauft, sich dabei aber die Nutzung vertraglich zusichern lassen. Gegen diese Behauptung hat SCO wiederum eine einstweilige Verfügung beantragt, eine Entscheidung steht allerdings noch aus.

Der Prozess gegen IBM befinde sich derzeit noch in der "Discovery"-Phase, erklärt Gregory Blepp, Vice President International von SCO und damit für die Lizenzpolitik des Unternehmens verantwortlich, im Gespräch mit manager-magazin.de. "Wir wollen, dass DaimlerChrysler bestätigt, dass es unseren Code benutzt", so Blepp. Am Mittwoch habe der Federal Court in Utha zudem IBM aufgefordert, Beweise vorzulegen. SOC dränge auf die Offenlegung des Programmcodes der jüngsten Software-Entwicklungen. Zuvor hatte SCO Log-Dateien zu dem Source-Code herauszugeben, die IBM verlangt hatte. Die Verhandlungen vor Gericht seien erst für April 2005 angesetzt, sagte Blepp.

Ein Branchenbeobachter sagte gegenüber manager-magazin.de, dass es bei der Klage gegen IBM inzwischen hauptsächlich um die Definition von SCO gehe, was der von Unix abgeleitete Code sei. Den Beklagten sei es mittlerweile gelungen, anhand von Unterlagen von AT&T, einem der vorherigen Rechteinhaber von Unix, darzulegen, dass die auf Unix aufbauenden Eigenentwicklungen der Unix-Lizenznehmer wie beispielsweise IBM nicht unter das Urheberrecht von AT&T fielen. Damit habe auch SCO keine Ansprüche, so der Schluss. Dem kann Blepp nicht zustimmen. Noch liege dieser Beweis bei Gericht nicht vor. Zudem sei im Vertrag mit IBM die Definition des Codes klar umrissen.

Am vergangenen Dienstag hatte SCO einen ersten Namen eines Unternehmens bekannt gegeben, dass mittlerweile Lizenzgebühren für die Linux-Nutzung an SCO zahlt. Der Webhoster EV1Servers.net bezahle pro Prozessor 699 Dollar - insgesamt 14 Millionen Dollar, hieß es. Im Sommer hatte SCO nach eigenen Angaben 1500 Unternehmen aufgefordert, pro Linux-Server eine Lizenzgebühr von rund 700 Dollar zu zahlen.

Die Linux-Gemeinde ist überzeugt, dass die Vorwürfe haltlos sind. In Deutschland haben die Anhänger der Open-Source-Gemeinde durchgesetzt, dass SCO hier zu Lande nicht mehr behaupten darf, dass die "Software Linux unrechtmäßig erworbenes geistiges Eigentum von SCO beinhalte." Macht es SCO dennoch, droht ein Ordnungsgeld.

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