Dienstag, 25. April 2017

Bertelsmann Eklat in Gütersloh - Schulte-Hillen geht

Der Vorsitzende des Bertelsmann-Aufsichtsrats, Gerd Schulte-Hillen, hat seinen Rücktritt erklärt. Auslöser ist ein offener Dissenz zwischen Schulte-Hillen und Vorstandschef Gunter Thielen über die angestrebte Fusion der Musiksparte BMG mit Sony Music.

Hamburg/Gütersloh - Gerd Schulte-Hillen (63) hat nur wenige Tage nach dem Rückzug als Aufsichtsratsvorsitzender des Verlags Gruner + Jahr (G+J) nun auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der G+J-Mutter Bertelsmann niedergelegt. Nach Informationen von manager-magazin.de wurde er von Reinhard Mohn mit Nachdruck zu diesem Schritt aufgefordert, nachdem Schulte-Hillen die Fusion der Musiksparte BMG mit Sony Music scharf kritisiert hatte.

  Legt sein Amt nieder:  Gerd Schulte-Hillen
DPA
Legt sein Amt nieder: Gerd Schulte-Hillen
Wie es heißt, hatte Schulte-Hillen schwere Bedenken gegen die Fusion vorgebracht und als einziges Mitglied des Aufsichtsrats gegen das Vorhaben gestimmt. Seine Argumente: Bertelsmann gebe ein 100-Prozent-Geschäft auf und bringe es in eine schwierig zu führende 50-Prozent-Partnerschaft ein. Zudem seien die Restrukturierungskosten höher als die intern veranschlagten 400 Millionen Euro.

Der über die Querschüsse seines Aufsichtsratschefs erzürnte Thielen schrieb nach Informationen von manager-magazin.de einen Brief an die Eigentümerfamilie Mohn und Albert Frère - er hält über die Holding Group Bruxelles Lambert 25,1 Prozent an Bertelsmann - in dem sich der Vorstandschef bitter über Schulte-Hillens Mäkeleien beklagte. Dann hätten Mohn und Frère nicht lange gezögert und knallhart durchgegriffen.

Vogel übernimmt interimistisch den Vorsitz

Nach dem Rücktritt des erfahrenen Medien-Managers soll übergangsweise Dieter Vogel, sein Stellvertreter im Aufsichtsrat, den Vorsitz übernehmen, berichten Unternehmenskreise. Ein endgültiger Nachfolger stehe noch nicht fest.

Der Rückzug als Aufsichtsratsvorsitzender des Hamburger Verlags zu Ende Oktober war mit der Vermeidung von Doppelmandaten bei Mutter- und Tochtergesellschaft begründet worden. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender bei Gruner + Jahr wird Bertelsmann-Chef Gunter Thielen.

Aufbau und Abbau des Tageszeitungsgeschäfts

Schulte-Hillen war auch stellvertretender Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung und Mitglied in der einflussreichen Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG). Als er 1981 bei Gruner + Jahr den Chefsessel übernahm, brachte das Verlagshaus 13 inländische und acht ausländische Titel heraus. Als er es im Oktober 2000 verließ, waren es 34 inländische und 50 ausländische Zeitschriften.

Umsatz und Ertrag wurden unter Schulte-Hillens Ägide verdreifacht. So übergab er ein gut verdienendes Unternehmen an seinen Nachfolger Bernd Kundrun.

Er musste in seiner langen Zeit als G+J-Chef auch Niederlagen hinnehmen. Zwei Jahre nachdem er die Führungsbrücke übernommen hatte, managte er die Krise, die vom Aushängeschild "Stern" ausgelöst worden war, als das Blatt - mit Einwilligung Schulte-Hillens - die gefälschten "Hitler-Tagebücher" veröffentlichte.

Auch der Plan, das Produktportfolio von Gruner + Jahr zu erweitern und fortan im Tageszeitungs-Geschäft mitzumischen, erwies sich als nicht sonderlich glücklich. Eines der ersten Blätter, die Ende der achtziger Jahre unter Schulte-Hillens Leitung vom Verlag übernommen wurden, war die "Hamburger Morgenpost"; zwar gelangen der "MoPo" unter Chefredakteur Wolfgang Clement (heute Wirtschaftsminister) erste Achtungserfolge, aber ein dauerhafter Erfolg war dem Boulevardblatt nicht vergönnt.

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