Mittwoch, 28. Juni 2017

E-Commerce Kaufrausch im Äther

Die überfüllte Berliner Radiolandschaft ist um einen Sender reicher: Mit Kaufradio startet Deutschlands erste Shopping-Station. Allerdings können sich die Macher nicht so recht entscheiden, ob sie lieber Radio- oder E-Commerce-Anbieter sein wollen.

Berlin - Oliver Dunk sucht einen Teil des Erfolges. Darauf lässt zumindest der Name seiner Berliner PR-Agentur schließen: "Part of Success" nennt sich die 10-Personen-Firma. Nun versucht der PR-Mann und Journalist ein weiteres bereits gut bestelltes Feld neu zu beackern: den Berliner Rundfunkmarkt. Am 20. August ist sein neu gegründetes "Kaufradio" erstmals auf Sendung gegangen.

E-Commerce-Sender: Eine Shopping-Plattform wie viele andere auch
Mit dem ersten Shoppingradio Deutschlands versucht der 40-Jährige Dunk, das erprobte Modell von Einkaufkanälen wie QVC auf den Hörfunk zu übertragen. "Wenn es im TV funktioniert, warum sollte es nicht auch im Radio funktionieren?", fragt der Kaufradio-Chef rhetorisch. Vor allem, so Dunk, sei Radio schließlich überall zu hören, auch unterwegs.

Dazu benötigt der Hörer allerdings ein DAB-fähiges Radio. Also einen Empfänger, der auf einen digitalen Übertragungsstandard gehorcht. Denn Kaufradio sendet nicht auf einer herkömmlichen UKW-Frequenz, sondern über das digitale LE-Band. Wahlweise und bundesweit gibt es das Kaufradio auch im Internet zu hören.

Wie die terrestrisch ausgestrahlten Sender auch, musste Kaufradio eine Lizenz beantragen. Die allerdings ist noch gar nicht erteilt, sie wird erst im September erwartet. Doch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) drückt in diesem Fall ein Auge zu. Vor allem sie weil sich gerade während der Internationalen Funkausstellung einen Werbeeffekt für das bislang eher nischige digitale Radio verspricht.

Herzstück des Senders ist die Shoppingseite im Netz

Und wie der Name verrät, handelt es sich bei dem Sender vor allem um eine Shoppingplattform. Außer der obligatorischen Werbung, werden die Zuhörer von sieben, teils festen, teils freien Mitarbeiter mit Einkaufstipps beglückt. Zwei pro Stunde sind es bislang, vier sollen es in Zukunft werden. Noch sind die Verbraucherhinweise redaktionell betreut, dass diese irgendwann von Sponsoren geliefert werden, hält Dunk für durchaus wünschenswert: "Aber natürlich nur als gekennzeichnete Werbung."

Dermaßen gut eingestimmt, kann der willige Zuhörer anschließend die von ihm gewünschte Ware per Internet bestellen. Dafür wird er auf die eigens dafür geschaffene Website www.kaufradio.de gelenkt, dem Herzstück der Operation Kaufrausch im Äther. Der Internetauftritt dient dabei nur als Plattform, über den Angebote wie Reisen, Unterhaltungselektronik und Bücher mit den eigentlichen Shops und Herstellern verlinkt sind.

Radiojunkie Dunk: "Ich wollte meine eigene Radiostation
Dunk hört das Wort Plattform aber nicht so gerne, er sieht seine Seite lieber als eine Art Kaufhaus, "in dem die Produkte Dritter angeboten werden." Später allerdings, wenn der Laden richtig brummt, dann soll es auch möglich sein die Waren über SMS, beziehungsweise Handy zu bestellen.

Was also ist Kaufradio? Eine Shoppingplattform wie so viele andere, mit einer angeschlossenen Rundfunkanstalt als Marketinginstrument oder eine Radiostation, deren Finanzierung über die Provision vermittelter Konsumgüter erfolgt? Für den Stationschef ist die Sache klar: "Ich bin ein Radiojunkie und wollte endlich meinen eigenen Sender haben", sagt der Berliner. "Das Studio war vorhanden, doch wollte ich nicht als einziges Standbein auf klassische Radiowerbung setzen."

Ruhige Musik fördert den Einkauf

Also ersann Dunk die Idee vom Kaufradio als "multimediales Radiokaufhaus" und setzte seine PR-Angestellten auf Kundenakquise an. Als Kooperationspartner konnten die Berliner unter anderem Galeria Kaufhof, Otto, Quelle und Tchibo gewinnen. Allesamt selbst äußerst rührig im E-Commerce.

Mit Hilfe dieser renommierten Anbieter erhofft Dunk Kaufradio schnellstmöglich "auf eine wirtschaftlich tragfähige Grundlage zu stellen". Schließlich gilt es einige Auflagen zu erfüllen: Nachrichten zum Beispiel. Einmal die Stunde, wie es das deutsche Rundfunkrecht vorsieht. Dazwischen Verbraucherhinweise und Shoppingtipps, eingerahmt von Musik, die den Ansprüchen der durchformatierten Radiolandschaft entspricht: Das Beste aus allen Jahrzehnten.

Allerdings, und darauf legt der Berliner großen Wert, handele es sich dabei um ruhige Stücke. Beim Einkaufen solle sich schließlich niemand gestört fühlen.

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