Mittwoch, 29. März 2017

Hewlett-Packard Carly auf Darwins Spuren

Was haben Carleton Fiorina, CEO von Hewlett-Packard, und Charles Darwin, berühmt-berüchtigter Begründer der modernen Evolutionstheorie, gemeinsam? Auf den ersten Blick nur die Spitznamen "Carly" und "Charly". Auf den zweiten Blick aber auch ihre Weltsicht: den Darwinismus pur.

Es beginnt schon bei den Produktideen von Hewlett-Packard (HP) Börsen-Chart zeigen. Da ist plötzlich die Rede von einer so genannten "Darwin Reference Architecture", die der aktuellen Adaptive-Enterprise-Strategie zu Grunde liegt. Dieser zufolge können Unternehmen ihre Informationstechnologie (IT) durch voreingestellte Pakete flexibel an die Geschäftserfordernisse anpassen. Das ist zwar nicht ganz neu - IBM und Sun haben Ähnliches im Angebot -, aber ein interessanter Versuch, aus der Krise herauszukommen.

Darwinismus pur: HP-Chefin Fiorina geht ungewöhnliche Wege
Richtig interessant dabei, aber meist nur am Rande vermerkt, ist der Bezug, den HP-Chefin Fiorina zu Charles Darwin herstellt. Von Darwin stammt auch ihr Lieblingszitat: "Nicht die stärksten oder die intelligentesten Spezies werden überleben, sondern diejenigen, die sich am schnellsten anpassen". Auf dem Markt gewinnt also derjenige, der sich am schnellsten verändert.

Bereits seit Mitte 2000 setzt Fiorina auch intern bei der Unternehmensführung auf Darwin, getreu dem Credo: Anpassen - und wer sich nicht anpasst, überlebt nicht. Grund für ihren Wandel: HP ist für Fiorina eine "ergraute Lady". Und so entdeckt sie die "Regeln der Garage" neu, will weg von Bürokratie und hin zur puren Dynamik der Marktanpassung. Da passt es ins Bild, wenn die Intranetseite zur neuen HP-Personalstrategie mit dem obigen Zitat von Darwin eröffnet wird.

Carly und die alten Werte

Die Wahrscheinlichkeit, dass gestandene HPler mit gewachsenen HP-Werten sich hiervon beeindrucken lassen, war vor kurzem noch relativ gering. Zu groß war die Bedeutung von "Loyalität und Vertrauen" als traditioneller Teil der HP-Kultur, wie bereits in dem Buchklassiker "Auf der Suche nach Spitzenleistungen. Was man von den bestgeführten Unternehmen lernen kann" von Thomas J. Peters und Robert H. Waterman (MVG, München 1997) beschrieben.

Die traditionellen Werte begannen zwar bei der Generation Y zu erodieren, erklärte Menno Harms, Chef von HP-Deutschland, auf der Cebit 2000. Dieser Wertewandel aber habe HP eher noch ermutigt, sich weiterhin an seinen Unternehmenstraditionen zu orientieren. Deshalb konnte Harms sich so etwas wie "Darwinismus" bei HP ebenso wenig vorstellen wie gelebten "Opportunismus" bei den Mitarbeitern.

Denn den HP-Mitarbeitern ging es selbst kurz vor dem jähen Absturz der New Economy noch relativ gut. Sie erfreuten sich eines weitgehend guten Arbeitsklimas und dachten nicht daran, etwas zu verändern. Als (zumindest kleine) Opportunisten sahen viele HP-Mitarbeiter ihre Chance darin, sich eben nicht an den immer härter werdenden Wettbewerb anzupassen, sondern ihren gegenwärtigen Status zu erhalten.

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