Freitag, 23. Juni 2017

"Bild" Diekmann zieht den Kürzeren

Schlappe für den Chef des Boulevardblatts - er bekommt kein Schmerzensgeld von der taz.

Berlin - Im Streit um eine Satire der "Tageszeitung" (taz) über "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hat das Berliner Landgericht die Zahlung eines Schmerzensgelds an den Journalisten abgelehnt. Die taz dürfe jedoch die frei erfundene Behauptung nicht wiederholen, Diekmann habe sich einer Operation zur Penisverlängerung unterzogen, teilte sein Anwalt Peter Raue am Dienstag mit. Ansonsten drohe der Zeitung aus Berlin eine hohe Geldstrafe.

Kai Diekmann
DPA
Kai Diekmann
Eine Urteilsbegründung solle in den kommenden Tagen folgen. Diekmann hatte 30.000 Euro Entschädigung gefordert.

taz-Autor Gerhard Henschel hatte am 8. Mai auf der Satire-Seite der Zeitung von Gerüchten über eine missglückte Operation Diekmanns in einer Spezialklinik in Miami geschrieben. Raue erklärte vor Gericht, der Intimbereich müsse dem Journalismus verschlossen bleiben.

Das Argument, in der Satire habe sich die taz des journalistischen Stils der "Bild"-Zeitung bedient, dürfe nicht gelten. Diekmanns Intimsphäre müsse geschützt bleiben. "Hier gibt es eine Grenze", sagte der Anwalt.

Dagegen erklärte taz-Anwalt Johannes Eisenberg, als öffentliche Person müsse es Diekmann hinnehmen, wenn über ein intimes Körperteil geschrieben werde. Als "Bild"-Chefredakteur setze Diekmann selber den Maßstab der öffentlichen Erörterung solcher Themen.

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