Freitag, 31. Juli 2015

"Bild"-Zeitung Verstoß gegen die publizistische Sorgfaltspflicht?

Die Affäre um die Bonusmeilen zieht immer weitere Kreise. Der Deutsche Presserat kritisiert die "Bild" wegen ihrer Berichterstattung. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab.

Berlin - Cem Özdemir, Gregor Gysi - wie viele Politiker werden wegen der Bonusmeilen-Affäre noch zurücktreten? Einseitiger Wahlkampf wird der "Bild" vorgeworfen. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse rüffelt die Lufthansa. Auch Schröder setzt die Fluggesellschaft unter Druck, endlich die Liste der Bundestagsabgeordneten herauszugeben, die Bonusmeilen sammeln.

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Bonusmeilen-Affäre

Die "Bild" veröffentlicht nach und nach die Namen der Politiker, die dienstlich erworbene Bonusmeilen privat verflogen haben. Sollte die Zeitung ihre Serie fortsetzen, die Namen alle auf einmal veröffentlichen oder einfach damit aufhören?

Der Bund der Steuerzahler, dessen Daten wahrscheinlich als Quelle für die Enthüllungs-Serie dienten, wehrt sich gegen Vorwürfe, er habe die Liste der Zeitung zur Verfügung gestellt. In Verdacht ist mittlerweile ein FDP-Mitglied geraten, das beim Bund gearbeitet und die Daten möglicherweise weitergegeben hat.

Während die Politiker aller Couleur die leidige Affäre endlich beenden wollen, präsentiert die "Bild" (bislang) unerschrocken immer mehr Namen. Unter allen Beteiligten dürfte das Blatt wohl als einer der wenigen von den aufmerksamkeitswirksamen Veröffentlichungen profitieren. In der Medienbranche wird die Berichterstattung der "Bild" mit gemischten Gefühlen beobachtet. Die Frage: Verstößt die "Bild"-Zeitung gegen die guten Sitten?

Der deutsche Presserat kritisiert die Zeitung deutlich. Seine Kritik richtet sich jedoch nicht dagegen, dass die "Bild" die Affäre an die Öffentlichkeit brachte, sondern an die Art und Weise, wie sie es macht.

"Jeder, der häppchenweise veröffentlicht im Wissen, dass er mehr Informationen hat, begeht im Zweifelsfall einen Verstoß gegen die allgemein gültigen Regeln für die Publizistik. Das wäre aus meiner Sicht ein Missbrauch der Rolle der Presse", sagte Manfred Protze vom Presserat im Deutschlandfunk.

Alle Medien seien aber gehalten, wahrhaftig zu berichten und alle ihnen vorliegenden Informationen zu verbreiten, so Protze. Wer sage, er habe mehr Informationen als er jetzt offenlege, müsse dies begründen, warum er dies nicht tue.

Parteipolitischer Wahlkampf - wie es insbesondere SPD-, Grünen- und PDS-Politiker vermuten? Schon an den vorangegangenen Tagen hatte "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann derartige Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen.

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