Dienstag, 12. Dezember 2017

Gruner + Jahr Berliner Verlag wird verkauft

Das Hamburger Verlagshaus verabschiedet sich von der "Berliner Zeitung". Der gesamte Berliner Verlag wird an die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkauft. Der freut sich, denn nun hat er den Berliner Markt fest in der Hand.

Hamburg – Alles im grünen Bereich? Gruner+Jahr-Chef Bernd Kundrun kann wohl erleichtert durchatmen, denn er hat die defizitäre Tochter Berliner Verlag sicher bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck platziert. Das Stuttgarter Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, die Berliner zu übernehmen.

Bernd Kundrun
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Bernd Kundrun
Darunter fallen die Zeitungen "Berliner Zeitung", die Boulevardzeitung "Berliner Kurier", das Stadtmagazin "Tip" und das Anzeigenblatt "Berliner Abendblatt" sowie eine Druckerei und der Internetdienst BerlinOnline. Ursprünglich planten die Stuttgarter eine Kooperation zwischen den eigenen Berliner Objekten und denen des Berliner Verlags einzugehen.

Die Gerüchte über einen Verkauf der verlustreichen "Berliner Zeitung" kursierten schon seit langem. Nährstoff erhielten die Spekulationen zum einen durch die Gewinneinbußen angesichts des Anzeigenflaute und zum anderen durch Gruner + Jahr-Mehrheitsaktionär Bertelsmann. Vorstand Thomas Middelhoff hatte vor einiger Zeit durchblickenlassen, dass der Konzern sich aus dem Tagezeitungsgeschäft zurückziehen wolle.

Berlin in Holtzbrinck-Hand

Nun hat die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck das große Los gezogen, den Berliner Verlag auf Vordermann zu bringen. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart. Doch es dürften einige Millionen Euro geflossen sein. Angesichts der rigiden Sparmaßnahmen, die die Holtzbrinck-Tochter Verlagsgruppe Handelsblatt zur Zeit durchsetzt, erscheint dies widersprüchlich.

Berliner Tageszeitungen
Erst Anfang dieser Woche hatte der Düsseldorfer Verlag verlautbart, dass er das Anlegermagazin "Telebörse" einstellt, darüber hinaus sollen weitere Umstrukturierungen - unter anderem auch im Onlinebereich - erfolgen. Rund 175 Stellen fallen dem Spardruck zum Opfer.

Doch Rolf Aschermann, Leiter Unternehmenskommunikation des Holtzbrinck-Verlags, meint gegenüber manager-magazin.de, dass sich Sparmaßnahmen und Zukäufe innerhalb der Gruppe nicht widersprächen. "Die Verlagsgruppe Handelblatt konzentriert sich auf ihre Kernkompetenz, während wir unser Regionalgeschäft stärken".

Keine Personaländerungen

Holtzbrinck hat hohe Erwartungen an den Berliner Zeitungsmarkt. Den Planungen zufolge will der Stuttgarter Verlag sämtliche Objekte des Berliner Verlags aufrecht erhalten, obwohl Holtzbrinck selber bereits konkurrierende Objekt in der Hauptstadt pflegt.

Da ist einerseits die Zeitung "Der Tagesspiegel", die mit der "Berliner Zeitung" kämpft. Und andererseits ist Holtzbrinck auch an dem Stadtmagazin "Zitty" beteiligt, das in Konkurrenz zum "Tip" um die Leser streitet.

Über die künftige inhaltliche Positionierung der "Berliner Zeitung" wolle der Verlag erst nach der kartellrechtlichen Genehmigung entscheiden, sagte Aschermann. Versuche von Gruner + Jahr (G+J), die "Berliner Zeitung " zur "deutschen Washington Post" (Herausgeber Erich Böhme) zu machen, gehören damit endgültig der Geschichte an.

Die Chefredakteure der "Berliner Zeitung" gaben sich in der Vergangenheit die Klinke in die Hand, dennoch scheiterte der Plan, das Blatt als überregionale Zeitung zu etablieren. Zuletzt hieß es, die Zeitung, solle wieder mehr Lokales bringen.

Wer übernimmt Dresdner Gruppe?

Den Verlusten begegnete der Berliner Verlag mit Stellenabbau, der sämtliche Objekte durchzog. Ob nun weitere Sparmaßnahmen ergriffen werden, ist noch unklar. Allerdings sagte Aschermann, dass speziell durch die Übernahme des Berliner Verlags durch Holtzbrinck keine Personalveränderungen vorgenommen werden sollen.

Ob Holtzbrinck nun auch an der Übernahme der Regionalzeitungsgruppe in Dresden ("Sächsische Zeitung", "Sächsische Morgenpost") interessiert ist, kommentierte der Sprecher allerdings nicht. Gruner + Jahr ließ in einer Pressemitteilung verlauten, dass das Verlagshaus noch Gespräche führe.

Die verlustreiche Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland", die der Hamburger Verlag gemeinsam mit dem Pearson-Verlag herausgibt, soll von den Verkaufbestrebungen der Bertelsmann-Tochter bislang nicht betroffen sein. Sie soll dem Verlag weiter erhalten bleiben.

Noch im März hatte G+J-Chef Bernd Kundrun in einem Interview mit der Fachzeitung "W&V" gesagt, er gehe davon aus, dass das Verlagshaus im Jahr 2004 noch Tageszeitungen haben werde. Zeitungen seien ein stabiles Geschäft. Doch das hat sich nun wohl mehr oder weniger erübrigt.

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