Montag, 25. Juli 2016

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Servatius-Kolumne Wissensmanagement - Abschied oder neuer Aufschwung?

Erfolgreiches Wissensmanagement war bislang mehr eine abstrakte Forderung denn Realität – doch die Technologien der Net Economy ermöglichen die gewinnbringende Nutzung von Wissen in der Praxis, meint Hans-Gerd Servatius.

Wissen ist Macht – und unser wichtigstes Kapital. Dieser Erkenntnis, zu der Francis Bacon schon vor über 400 Jahren gelangt war, versucht auch die Wirtschaft immer wieder neu Geltung zu verschaffen. In den letzten 10 Jahren tat sie es unter der Flagge des Wissens- oder des Knowledge-Managements - doch kam dabei mehr als ein Modewort heraus?

Prof. Dr. Hans-Gerd Servatius ist Geschäftsführer und Partner der PricewaterhouseCoopers Unternehmensberatung GmbH in Düsseldorf.
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Prof. Dr. Hans-Gerd Servatius ist Geschäftsführer und Partner der PricewaterhouseCoopers Unternehmensberatung GmbH in Düsseldorf.
Skeptische Stimmen halten Wissensprojekte für gescheitert und führen dies auf fehlende Zeit und auf Machtbarrieren zurück: Welcher Mitarbeiter verbringt schon gerne seine ohnehin knappe Zeit mit der Aufbereitung und Pflege von Daten? Und wer gibt Wissensvorsprünge preis, die ihm eine bessere Position in seinem Unternehmen sichern?

Sollten wir also die Konsequenzen ziehen und den Begriff "Knowledge-Management" endgültig ad acta legen? Ganz im Gegenteil. Das Thema Wissensmanagement ist heute aktueller denn je. Angesichts immer kürzer werdender Produktzyklen und gleichzeitig steigender Kundenanforderungen wird der kontinuierliche Austausch von Wissen über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen zur Überlebensfrage Nummer 1.

Die Net Economy eröffnet technische Möglichkeiten, die in der vermeintlichen Blütezeit des "Knowledge-Managements" noch nicht realisierbar waren. Mit Hilfe von Mitarbeiterportalen lässt sich eine rollenspezifische, persönliche Arbeitsumgebung schaffen. Sie ermöglicht einen Austausch innerhalb des Unternehmens, aber auch zwischen Herstellern, Entwicklungspartnern und Kunden.

Prozessorientierter Ablauf

Wie kann demnach ein wissensintensiver Prozess konkret ablaufen? Das entwickelnde Unternehmen stellt alle Informationen über ein geplantes Entwicklungsprojekt auf dem Webserver zur Verfügung. Hier finden sich Materialstämme, Stücklisten, Projektpläne, Produktskizzen, etc. Alle Entwicklungspartner können mit ihrem Internet-Browser und einem Passwort, das die Zugriffsrechte regelt, auf den Server zugreifen. Sie können die für sie relevanten Informationen herunterladen und dort Änderungen oder Anmerkungen eingeben. Das auftraggebende Unternehmen vergleicht kontinuierlich die Daten und steuert den Prozess.

So werden Resultate möglich, die allen Anforderungen gerecht werden. Die Ausgangsdaten bleiben als Basis gespeichert, so dass sich die Historie eines Produktes jederzeit komplett zurück verfolgen lässt.

Auf diese Weise können Partner, Lieferanten und Kunden von Anfang an aktiv auf den gesamten Entwicklungsprozess Einfluss nehmen. Auch unterschiedliche Ideen können dabei parallel weiter entwickelt werden, anstatt, wie sonst häufig, in der Schublade zu landen. Die solchermaßen eng verknüpften und damit verkürzten Abstimmungsprozesse bedeuten vor allem aber auch eine schnellere Marktreife der neuen Produkte. Dies wird zunehmend wichtiger, um sich den kürzeren Produktzyklen am Markt anpassen zu können.

Disziplin, Geduld und Kooperationsbereitschaft

Zweifellos erfordert erfolgreiches Knowledge-Management auch Sekundärtugenden wie ein hohes Maß an Disziplin, Geduld und Kooperationsbereitschaft. Doch die Technologien der Net Economy bieten uns Möglichkeiten, die nicht zu erhöhtem Zeitaufwand, sondern eher zu Zeitersparnis führen. So kann ein Unternehmen durch die Verbesserung wissensintensiver Prozesse einen konkreten Wertbeitrag erzielen.

Und das verschafft nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern auch eine erhöhte Kundenzufriedenheit. Das wird dem Knowledge-Management einen neuen Aufschwung ermöglichen – und zwar nicht in Debatten oder Appellen, sondern in den Unternehmensprozessen – als Treiber von E-Transformation.

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