Sonntag, 31. Juli 2016

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Deutsche Industrie verschläft 3-D-Druck Autos und Häuser - ausdrucken nicht vergessen 

Fahrzeug aus dem 3-D-Drucker: Auch die Hochschule Hildesheim testet die neue Technologie

Die nächste Industrielle Revolution ist längst im Anmarsch, aber in Deutschland scheint kaum jemand zu bemerken, dass mit dem 3D-Druck ihr Siegeszug gerade ein paar Gänge hochgeschaltet hat. "3D-Druck? Nutzen wir schon in der R&D Abteilung für die Erstellung von Prototypen" - das ist oft noch die beste Antwort, die man heute von Managern auch großer Unternehmen zu hören bekommt. Dabei gibt es praktisch keine Industrie, die nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren von dieser Technologie, die das Label "revolutionär" durchaus verdient, umgekrempelt werden wird. Die schnelle und preiswerte Erstellung von Prototypen ist zwar ein wichtiger, aber doch nur ein sehr kleiner Teil dessen, was da auf uns zukommen wird.

Als Additive Manufacturing bezeichnet man spezifischer den Herstellungsprozess des 3D-Druckens, der auf ganz unterschiedlichen Technologien basieren kann. Die zunehmende Verfügbarkeit preiswerter Technik in Kombination mit immer besser werdender Designsoftware und innovativen, druckfähigen Materialien werden unsere Märkte umkrempeln und ich frage mich langsam, wann das die Mehrheit unserer Manager begreift.

Die bisherigen Drucktechnologieriesen, die Hewlett-Packards, Epsons und Canons dieser Welt - im 3D-Druck Geschäft fehlen sie weitgehend. HP hat seinen ersten 3D-Drucker inzwischen für 2016 angekündigt. Epson will sich dafür noch ein paar Jahre mehr Zeit nehmen. Canon wird gar keine eigenen 3D-Drucker entwickeln. Sie haben als erste verschlafen, dass hier ein ganz neuer, aber gigantisch wachsender Markt entsteht. Analysten des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC International sagen 3D-Druckern, Zubehör und 3D-Druck-Dienstleistungen ein langfristiges jährliches Wachstum von 29 Prozent voraus. Morgan Stanley schätzt sogar 34 Prozent jährliches Wachstum und mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz bis 2020. Die neuen Marktführer heißen Stratasys, 3D-Systems oder Ultimaker.

Anke Domscheit-Berg
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    Anke Domscheit-Berg ist Unternehmerin, Publizistin und Netzaktivistin. Sie beschäftigt sich mit den disruptiven Potenzialen der beginnenden Dritten Industriellen Revolution. Seit 2014 ist sie Mitglied des internationalen Stakeholder Councils der RWE. Seit 2012 Mitglied einer Denkfabrik der Welthungerhilfe. Zuvor war sie als Direktorin bei Microsoft Deutschland, Engagement Managerin im Business Technology Office bei McKinsey und als Unternehmensberaterin und Projektleiterin bei Accenture tätig.
Die größten 3D-Drucker sind bisher in China im Einsatz, wo nicht nur Autos sondern auch 5-stöckige Häuser und 1000 Quadratmeter große Villen inklusive Dekor gedruckt werden. Die Baubranche eignet sich gut als illustrierendes Beispiel: Architekten nutzen hierzulande 3D-Drucker, um ihren Kunden schneller ein vorstellbares Modell auf den Tisch zu stellen. Aber ein gedrucktes Haus kann man bei uns lange suchen.

In China mausert sich derweil das Unternehmen WinSun zum Weltmarktführer, trotz des Gerüchts, die verwendete Technologie sei andernorts erfunden worden. WinSun druckte schon vor einem Jahr zehn stabile Häuser in 24 Stunden, jedes kostete unter 5.000 Dollar, das verwendete Material war recyclter Abfall. Allerdings kommen obendrein diese Häuser mit 60 Prozent weniger Baumaterial aus, Bauabfälle reduzieren sich ebenfalls um bis zu 60 Prozent, der Personalaufwand ist sogar bis zu 80 Prozent niedriger als bei konventioneller Bauweise. Die ägyptische Regierung hat schon 20.000 Stück dieser preisweiten Exemplare bestellt, die nebenbei noch Ressourcen schonen.

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