Samstag, 25. März 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Deutsche Industrie verschläft 3-D-Druck Autos und Häuser - ausdrucken nicht vergessen 

Fahrzeug aus dem 3-D-Drucker: Auch die Hochschule Hildesheim testet die neue Technologie

3. Teil: Irgendwann ist der Zug abgefahren

Das erste fahrbare Auto, das von Local Motors gedruckt worden war, fuhr im September 2014 durch Detroit, es bestand aus nur 49 Teilen - ein konventionelles Auto benötigt 5000-6000 Teile, die aufwändig zusammengefügt werden müssen. Viele dieser Arbeitsprozesse fallen einfach weg, weil man beim Drucken die Teile bereits zusammenhängend herstellen kann. Local Motors plant Microfabriken zur vor Ort Herstellung individualisierbarer Fahrzeuge - auch in Europa, selbst in Berlin. Künftig werden dort Autos in zwölf Stunden gedruckt, ganz nach Wunsch und alte Autos können zum Recycling zurückgebracht werden - dafür gibt es eine satte Gutschrift beim Neukauf.

Auch China steht schon in den Startlöchern für den Massenmarkt gedruckter Autos - unter 2000 Dollar betragen die Kosten für die leichtgewichtigen Elektro-Autos der Firma Sanya Sihai, die im März diesen Jahres vorgestellt wurden. Auch dafür können Microenterprises in kürzester Zeit überall auf der Welt entstehen. Große Marken wie Volvo verwenden immerhin 3D-gedruckte Werkzeuge und senken damit massiv Herstellungskosten, im Bentley EXP 10 Speed 6 sind sogar gedruckte Bauteile verbaut, u.a. ein Kühlergrill, der durch optische Effekte besticht. Ist unsere Autoindustrie auf diese neue Konkurrenz vorbereitet? Ich habe da meine Zweifel.

Soviel ist sicher, keine Branche bleibt verschont von dieser Revolution, egal ob Pharma oder Medizintechnik, Kunst, Maschinenbau, Konsumgüterproduktion oder Mode. Wer immer noch glaubt, 3D-Druck sei nur etwas für Entwickler (oder noch schlimmer - für Kriminelle, die sich heimlich eine Waffe aus dem Drucker ziehen), sollte sich intensiver mit dieser Technologie befassen. Die Zukunft jedes Unternehmens könnte eines vielleicht nicht einmal fernen Tages davon abhängen, ob sich nicht nur F&E Fachkräfte sondern auch Strategieabteilungen und das Top-Management mit den disruptiven und kreativen Potenzialen des 3D-Drucks auseinandersetzen. Viele Informationen finden sich längst im Internet, nur ein paar Suchklicks weit entfernt.

3D-Druck Messen und Kongresse sind nicht exotisch, sondern relevant und eine Teilnahme gut investierte Zeit. Größere Unternehmen sollten spezifisches Expertenknowhow entwickeln oder einkaufen, 3D-Druck Taskforces temporär oder dauerhaft einrichten, in denen Chancen und Bedrohungen dieser Technologien für das eigene Unternehmen analysiert und Input für strategische Entscheidungen entwickelt werden kann. Alles das sollte bald passieren, denn irgendwann ist der Zug schlicht abgefahren.

Anke Domscheit-Berg ist Unternehmerin, Publizistin und Netzaktivistin. Sie ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de.

Mehr zum Thema finden Sie auch in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Manager.

Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH