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22. September 2009, 10:08 Uhr

Mobilfunk

Neuer Anlauf für Handy-TV

Von Astrid Maier

Ein Schwede wagt den Neustart für Handy-TV in Deutschland. Der Medienmanager Michael Werner setzt darauf, dass Bezahlfernsehen hierzulande anziehen wird und Nutzer deshalb auch für TV auf dem Handy bezahlen werden. Werner verhandelt bereits mit Telekom und Co.

Hamburg - Am Anfang erteilte Telekom-Vorstand Hamid Akhavan (48) dem Mann aus Schweden noch eine Abfuhr: Als der Medienmanager Michael Werner (50) aus Stockholm in diesem Sommer die Branche nach Berlin ins feine "Ritz-Carlton" einlud, um für seine Sache - Handy-TV - zu werben, blies Akhavan seine Anwesenheit kurzfristig ab. Mit dem Telekom-Vertreter fehlte der Stargast.

Telekom-Vorstand Akhavan: Noch keine Zusage für eine Zusammenarbeit mit Airplus
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Telekom-Vorstand Akhavan: Noch keine Zusage für eine Zusammenarbeit mit Airplus

Werner lässt seither nicht locker. Der Skandinavier will Akhavan einen ambitionierten Plan schmackhaft machen: Er will dem Handy-TV in Deutschland endlich zum Durchbruch verhelfen. Und so fanden Werner, der in Skaninavien und Südeuropa bereits erfolgreich im digitalen Pay-TV-Geschäft mitmischt, und Akhavan Mitte September doch zusammen.

Handy-TV? Kaum ein Thema rund um den Mobilfunk schien hierzulande bis dato so zukunftlos. Spätestens zur Fußball-EM 2008 sollte Bezahlfernsehen auf dem Mobiltelefon eigentlich zum Massengeschäft werden. Gehegt hatte den Traum das Konsortium Mobile 3.0, an das die Landesmedienanstalten die Lizenz für den entsprechenden DVB-H-Standard vergeben hatten.

Die Entscheidung, die ebenfalls an der Lizenz interessierten Mobilfunker zu übergehen, erwies sich aber als fatal. Mobile 3.0, finanziert vom südafrikanischen Konzern Naspers, von Holtzbrinck und Burda, scheiterte anschließend am Boykott von Telekom & Co. - und musste schließlich die Lizenz Ende 2008 zurückgeben.

Jetzt wagt Werner einen Neustart: "Wir werden uns schon bald bei den Landesmedienanstalten für eine Lizenz bewerben", sagt er. Geht alles glatt, will er 2010 mit dem Handy-TV loslegen. Seit Monaten führt er Gespräche mit Sendern, Mobilfunkern, Handyherstellern und den Landesmedienanstalten. Von 95 Prozent aller Beteiligten habe er bereits positive Absichtserklärungen eingesammelt.

Das Vorhaben kann noch scheitern, aber Werner ist kein Anfänger. Das von ihm gegründete Unternehmen Airplus TV etwa hat sich im Norden auf dem Pay-TV-Markt etabliert. Er baut darauf, dass auch in Deutschland das Bezahlfernsehen anziehen wird - und so Kunden auch fürs Handyfernsehen bezahlen werden, vor allem für Premiumangebote.

Und Werner versteht es, finanzstarke Investoren zu begeistern. Bei Airplus TV ist Investor Growth Capital engagiert. So heißt der Venture-Capital-Fonds der Wallenbergs, der mächtigen Industriellen-Familie aus Schweden. Auch ein Tech-Fonds von J. P. Morgan ist hier Geldgeber.

Mobiler TV-Empfang: Massengeschäft oder zukunftslos?
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DDP

Mobiler TV-Empfang: Massengeschäft oder zukunftslos?

Die anvisierten bis zu 120 Millionen Euro aufzutreiben, um in Deutschland mit dem Handy-TV durchzustarten, dürfte keine schwere Aufgabe für den Manager sein. Die entsprechende deutsche Aktiengesellschaft Digital TV Partner Germany ist schon gegründet.

Steht dem Handy-TV also diesmal nichts im Wege? Die Landesmedienanstalten sind wohlgesinnt. "Dass derzeit wieder Gespräche zwischen allen Teilnehmern laufen, ist ein positives Zeichen", heißt es dort. Aus der vergangenen Misere hat man indes gelernt: Einen Ausschreibungstermin soll es erst geben, wenn "sich alle geeinigt haben" - wenn also auch die Mobilfunker dabei sind.

Branchenzweiter Vodafone ist aufgeschlossen: "Grundsätzlich ist DVB-H technisch interessant, wir sind weiter offen für Gespräche", sagt der zuständige Manager Volker Gläser. Entscheidend werde aber sein, ob Vodafone bei Inhalten und Bezahlmodellen mitentscheiden können wird. Zurückhaltender gibt sich da Platzhirsch Telekom . Man habe "konstruktive Gespräche geführt"; das Zeitfenster für DVB-H werde aber "immer kleiner".

Die Telekom setzt derzeit auf die Übertragung über das Mobilfunknetz statt über den Rundfunkstandard DVB-H, den die EU-Kommission als Standard empfohlen hat.

Die Bonner kämpfen jedoch mit großen Schwierigkeiten, ihre iPhone-Kunden mit Bundesliga-TV zu versorgen: Dem großen Ansturm ist das UMTS-Netz nicht gewachsen. Langfristig könnte das Problem mit der Mobilfunktechnik der nächsten Generation, LTE, behoben werden, heißt es in der Branche.

Die flächendeckende Einführung der neuen Technik aber kann noch etliche Jahre dauern. So lange liefert das hiesige Handy-TV Zerrbilder - außer man nimmt die schwedische Einladung an.


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