Frankfurt am Main - Die Firma Com Vision aus Wismar hat eine Software entwickelt, die Suchbegriffe in Tonaufnahmen findet. Gewerbliche Medienauswerter nutzen die Technik schon, aber auch Rundfunksender und Geheimdienste sind interessiert.
Audioclipping: Mit der neuen Software lassen sich Suchbegriffe in Tonaufnahmen finden
Damit jedes Suchergebnis wieder der richtigen Stelle auf der Tonspur zugeordnet werden könne, ergänze die Software alle Textabschnitte mit Zeitangaben. Zwar könne der Computer auch heutzutage kein druckreifes Protokoll schreiben wie ein Stenograf, räumt Mainka ein. Selbst die moderne Software verstehe nur 85 Prozent der gesprochenen Sprache korrekt.
"Schnell und kostengünstig"
Ein Kunstgriff führe aber zum richtigen Ergebnis. "Wir suchen auch nach ähnlichen Wörtern", erklärt der Cheftechniker. "Damit sind wir in der Lage, jede Textstelle wieder zu finden."
Das Unternehmen von der Ostseeküste, das mit 14 Beschäftigten weniger als zehn Millionen Euro im Jahr umsetzt, verspricht sich ein großes Geschäft. Radio- und Fernsehsendungen, Tonarchive, Audiodateien im Internet, selbst aufgezeichnete Telefonkonferenzen und Vorträge - all das lasse sich nun erstmals kostengünstig auswerten, schwärmt Verkaufsleiter Dietmar Kneidl.
Und das in bisher ungeahnter Geschwindigkeit. "Wir sind in der Lage, 60 Minuten gesprochener Sprache in nur acht Minuten zu analysieren." Ein geübter - und teuer bezahlter - Protokollant brauche dafür deutlich länger als eine Stunde.
Bund zeigt Interesse
In der Praxis testen die Wismarer ihr Verfahren auf der Internetseite www.audioclipping.de. Nach Unternehmensangaben werden dort monatlich rund 15.000 Sendestunden von 21 Hörfunkprogrammen ausgewertet. Internetnutzer können auf dieser Seite aktuelle Radionachrichten durchsuchen und erhalten neben einer kostenlosen Trefferliste auch Hörbeispiele als Belege.
Zusammenarbeit mit dem Bundestag: Sinnvoll für Ausschusssitzungen und Anhörungen
Bei Com-Vision-Geschäftsführer Manfred Büttner haben bereits mehrere Interessenten von Rang und Namen angeklopft. "Mit Google gibt es erste Sondierungsgespräche", sagt Büttner. Zudem prüften Rundfunkanstalten wie der WDR den Einsatz der Software in ihren Archiven. Mit dem Deutschen Bundestag laufe bereits ein Projekt zur Auswertung von Ausschusssitzungen und Anhörungen, die im Gegensatz zu Plenarsitzungen nicht stenografiert würden.
Gefragt nach einem Einsatz seiner Technik bei Geheimdiensten, lächelt Büttner vielsagend: "Es gibt staatliche Stellen, die sich dafür interessieren. Nicht nur in Deutschland."
Jörn Poltz, reuters
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