"Ich war die Nummer 15", sagt Cathryn Dwyre (29). Damals, im Herbst 1998, fing sie als 15. Mitarbeiterin des jungen New Yorker Unternehmens Register.com an. Ihr Titel: Director of Staffing.
Erst 15 Beschäftigte und dann schon eine Personalchefin? Musste das denn sein? "Ja, unbedingt", antwortet Cathryn Dwyre. Ein Start-up könne nicht früh genug einen Per-sonalmanager einstellen, rät sie. Viele Jungunternehmer würden den Fehler begehen, sich am Anfang viel zu wenig um die Personalarbeit zu kümmern.
Bei Register.com war das anders. CEO Richard Forman erkannte früh, dass er sich um Einstellungen nicht kümmern kann, dass aber eine professionelle Personalarbeit Not tat. Er heuerte Cathryn Dwyre an, die bei einer Venture-Capital-Gesellschaft arbeitete und früher Human-Resources-Managerin bei Dun & Bradstreet gewesen war.
Dwyre formalisierte sofort den Einstellungsprozess bei Register.com. Jeder Bewerber wird in drei getrennten, meist halbstündigen Interviews ausgequetscht. Eines davon führt Dwyre, die in der Woche auf 25 bis 40 Interviews kommt. Die beiden anderen leiten jeweils Register.com-Mitarbeiter, die in Interviewtechnik trainiert sind. Die drei Frager entscheiden danach über die Einstellung.
Parallel werden die Referenzen der Bewerber akribisch gecheckt. Dwyre: "Manchmal komme ich mir vor wie ein Detektiv."
Drei Wochen dauert im Schnitt dieses Prozedere. Manchen Bewerbern ist das zu lange, sie springen ab. Dwyre nimmt das in Kauf. Sie weiß: Die genaue Eignungsprüfung zahlt sich langfristig aus. Register.com hat eine sehr geringe Wechselrate.
Dwyre weiß auch, dass sie den Bewerbern etwas bieten muss. Sie hört sich permanent um, was die Konkurrenz an Gehalt und Anreizen offeriert. "Das versuche ich dann immer um einen Tick zu überbieten", sagt Dwyre.
So zahlt Register.com seinen Mitarbeitern monatlich extra 50 Dollar für Ausgaben rund um den Computer und 100 Dollar für Fitnessaktivitäten.
Der größte Köder sind freilich die Stock-Options, die jeder Mitarbeiter bekommt. "Das ist wichtig für das Klima im Unternehmen", sagt die studierte Philosophin. Wer nur ab Managerebene Optionen ausgebe, spalte das Unternehmen.
So schaut der Besucher denn auf der 11. Etage eines Hochhauses mitten in Manhattan nur in strahlende Gesichter. Der Kurs der Register.com-Aktie ist seit der Börseneinführung von 24 auf 34 Dollar Anfang Juni gestiegen.
Auch Nummer 15 freut sich, aber nur kurz. Das nächste Interview wartet. Nummer 200 soll eingestellt werden.
Wolfgang Hirn
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