Von Kristian Klooß
Berlin - Im Herzen Berlins, zwischen Hackeschem Markt und Alexanderplatz, erinnert seit einem Jahr eine rund fünf Meter hohe und gut anderthalb Meter dicke Betonsäule an eine Revolution. Die Säule ist schlicht und grau, geziert nur von einer goldenen Inschrift: "LITFASS-PLATZ". Rund 150 Jahre ist es jetzt her, dass Ernst Litfaß die Werbebranche mit seiner Idee veränderte.
150 Jahre später und kaum 150 Meter von der Säule entfernt wird in Berlin an der nächsten Werberevolution gearbeitet. Im Treppenflur der Rosenstraße 17 sind vier von zwölf Briefkästen mit Din-A-4-Blättern beklebt, auf denen in weißer Schrift auf schwarzem Grund "Groupon" steht.
Das Berliner Unternehmen, das sich hier vor weniger als einem Jahr in der zweiten Etage niederließ, hat sich inzwischen über die Treppen, Flure, Korridore und Büros fast des gesamten Hauses verbreitet. Aus gut hundert Mitarbeitern wurden knapp fünfhundert. In der zweiten Etage sitzen inzwischen noch das Recruiting, die Buchhaltung und das Qualitätsmanagement. Ein Stockwerk darüber hat sich die IT-Abteilung eingenistet. Von hier werden 44 der 45 Länder betreut, in denen Groupon weltweit tätig ist. Nur Nordamerika setzt auf eine eigene Administration.
Das Herz von Groupon Europa schlägt allerdings in der vierten Etage. Dort werden jene Deals geprüft, bewertet und beurteilt, mit denen das Internetunternehmen seine rasant steigenden Umsätze erwirtschaftet: Ein Rabattgutschein für ein Sushi-Essen hier, eine Reflexzonen-Massage da, eine München-Reise dort.
Von McKinsey zu Groupon
Der Platz reicht längst nicht mehr. Schon im Eingangsbereich der vierten Etage steht, gegenüber der Rezeption, ein gläserner Raumteiler, hinter dem Mitarbeiterinenn an kleinen Schreibtischen und großen Flachbildschrimen sitzen. Ein paar Meter weiter geht der Eingangsbereich über in ein Großraumbüro. Zu Dutzenden sitzen dort junge Männer und Frauen, hinter Reihen von Flachbildschirmen.
Viele von ihnen kommen frisch von der Uni. Ihre Aufgabe: jene Deals prüfen, die von den Außendienstlern mit den Bars, Restaurants oder Massagesalons deutscher, österreichischer und Schweizer Großstädte vereinbart worden sind.
Der General dieses Verkäuferheeres, Daniel Glasner, sitzt nur einen Blick entfernt. Auch sein Büro liegt hinter einer großen Fensterscheibe. Die Tür ist meist offen. Was allerdings auch praktische Gründe hat. Denn der deutsche Groupon-Geschäftsführer teilt sich den knappen Raum mit dem restlichen Führungsteam und einem großen Boxsack, der in einer Ecke an der Wand lehnt. "Wir planen bereits den Umzug", sagt er. Im Sommer will das Unternehmen in das ehemalige ProSiebenSat1-Gebäude am Berliner Gendarmenmarkt ziehen.
Daniel Glasner sieht aus, wie man sich einen Startup-Geschäftsführer vorstellt: 35 Jahre alt, die dunklen Haare ein wenig nach hinten gegelt, dazu weißer Kragen, grauer Pulli, Jeans, Turnschuhe. Seit Juni 2010 ist er CEO bei Groupon Central Europe. Er ist Jurist, studierte in Österreich, Frankreich und Singapur, arbeitete bei McKinsey.
Promoviert hat Glasner über die Rahmenbedingungen amerikanischer und europäischer Kapitalmärkte für Börsengänge. "Der Unterschied ist gar nicht so groß", sagt er und lächelt. Schließlich durfte er sein Wissen erst im November 2011 dem Praxistest unterziehen. Da nämlich ging Groupon an die Börse. Es war der vorläufige Schlusspunkt eines Wettrennens, das sich das Chicagoer Unternemen mit seinem größten Rivalen liefert: Google und seiner Tochter DailyDeal.
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