Von Kristian Klooß
Doch ob die deutschen Sparkassen und Banken mit ihren eigenen Ambitionen besser aufgestellt sind als die Hightech-Herausforderer, ist fraglich. Es war am Tag, an dem Google
sein dreizehnjähriges Bestehen feierte, als sie offiziell mitteilten, das System aus dem Silicon Valley in Deutschland erst einmal nicht einzuführen. Als Grund nannte der Sprecher des deutschen Sparkassenverbandes DSGV, Wolfgang Adamiok, dass Google Wallet nicht die Anforderungen des deutschen Datenschutzes erfülle.
Stattdessen steigen die Sparkassen mit einem eigenen System in den Ring: "Girogo". Zunächst in einigen deutschen Fußballstadien in Leverkusen, Stuttgart und Mainz erprobt, begann im Januar ein Pilotprojekt mit 1,3 Millionen Sparkassen- und Volksbank-Kunden im Großraum Hannover.
In dieser Woche kündigte überdies der Kreditkartenkonzern Visa Europe die Einführung des kotaktlosen Bezahlens an deutschen Supermarktkassen ab Sommer an. Sieben deutsche Banken - darunter die Postbank
- wollen ihre Kreditkarten bis dahin für die Zahlungstechnik "Visa PayWave" ausrüsten.
"Die Zahlungstechnik am Point-of-Sale ist allerdings nicht das Entscheidende", sagt E-Commerce-Experte Bajorat. So sei die Zahlung per Girocard schon heute weit verbreitet. "Da sind wir gut versorgt." Die Lösung, die hingegen aufgebaut werden müssten, seien jene, die Mehrwerte brächten. "Ein gutes Beispiel ist Starbucks", sagt er. Seit einigen Monaten in den Vereinigten Staaten und seit einigen Wochen auch in Großbritannien könne dort der Kaffee über die Eingabe einer Nummer auf dem Kassenbon ins Handy bezahlt werden. Wer mitmacht, spare nicht nur Zeit, er bekomme auch Rabatte, Boni oder Zusatzangebote auf sein Smartphone gesendet.
Den hiesigen Anbietern bleiben zwei Jahre
Das Argument der Sparkassen, dass Googles Bezahlsystem den Datenschutz verletze, halten Experten zwar für nachvollziehbar. Doch ob es zum Erfolg führe, sei eine andere Frage: "Auch die VZ-Netzwerke waren ja die braven, die sich anders als Facebook an den Datenschutz gehalten haben", sagt Mobilfunkexperte Key Pousttchi.
Sollten Sparkassen, Banken und Mobilfunkanbieter "Google Wallet" in Deutschland von ihren Systemen fern zu halten versuchen, wäre dies wohl vor allem dem größten Wettbewerber dienlich: Paypal. Anders als Google besitzt Paypal für die EU eine Banklizenz, was das Unternehmen unabhängig von Finanzdienstleistern macht. Darüber hinaus setzt Paypal nicht nur auf einen Bezahlweg, so wie es Google mit der Kreditkartenzahlung tut, die in Deutschland längst nicht so verbreitet ist wie in den USA. Auch typisch deutsche Bezahlverfahren wie Lastschrift oder Giropay-Zahlungen sind für Paypal kein Problem.
"Ich rechne damit, dass wir noch rund zwei Jahre Zeit haben, bis die großen Player Marktmacht entfalten", sagt Mobile-Payment-Experte Key Pousttchi. Wer bis dahin sein M-Payment-System nicht zum Marktdurchbruch gebracht habe, verliere den Anschluss. "Langfristig - in zehn, vielleicht auch in zwanzig Jahren - könnte es dann sogar darauf hinauslaufen, dass das Geschäftsmodell des traditionellen Einzelhandels ausstirbt."
Wie die Zukunft aussehen könnte, hat Ebay zur Weihnachtszeit bereits in London demonstriert. In der ersten Dezemberwoche eröffnete das Unternehmen im Londoner West End eine Boutique, in der Kunden Handtaschen, Parfüm, Teddys, DVDs oder Smartphones ansehen konnten. Gekauft wurde per Smartphone, geliefert direkt nach Hause.
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