Von Klaus Boldt
Hamburg - Die Axel Springer AG ("Bild", "Welt") und ihr Generaldirektor Mathias Döpfner (47) erregen wachsende Besorgnis unter ihren Konkurrenten und rauben in Sonderheit den Damen und Herren des langjährigen Tabellenführers Gruner+ Jahr ("Stern") das Vergnügen am Wirtschaften: In dem Zeitschriftenhaus scheut das Vieh in den Ställen, wenn Döpfner gegenüber nur ans Ufer tritt.
Im vergangenen Jahr sind die Berliner Konservativen erstmals in den Disziplinen Kraft, Leistung und Freude sowohl wie Umsatz (2,6 Milliarden Euro) und Gewinn (334 Millionen Euro) an den erschlafften Hanseaten vorbeigedonnert, und die von Döpfner Mitte Mai bekanntgemachten Ergebnisse für das erste Quartal lassen das Schlimmste befürchten: Springer meldet ein historisches Rekord-Ebitda. Die Prognosen wurden angehoben wie Geschützrohre.
Wohin soll das führen, fragen sich Wettbewerber, wenn Springer schon in der Rezession losdampft wie eine Lokomotive?
Als würde es die Strukturkrise der Medien nicht geben, hat sich Springers Aktienkurs seit dem Frühjahr 2009 fast verdoppelt; das Eigenkapital erreicht einen neuen Höchststand; selbst die iPhone-Programme von "Bild" und Welt" hat Springer mehr als 175 000-mal verkauft: Gäbe es Griechenland nicht, die Welt sähe fast rosig aus.
Je älter er werde, desto überzeugter sei er davon, sagt Döpfner, "dass wirtschaftlicher Erfolg nur mit journalistischer Exzellenz zu erzielen ist". Während viele Konkurrenten ihre Redaktionsetats kürzen, will er in antizyklischer Manier noch einen Sonderetat über Million Euro freigeben, der den Springer-Redaktionen für Recherchen zur Verfügung gestellt und Exzellenz-Budget genannt wird: "Wir haben verdammt viel gespart: aber nicht an der journalistischen Qualität."
Vor allem die "Bild"-Gruppe verbreitet angenehmen Zauber: Spendable Anzeigenkunden wurden gewonnen, drastisch erhöhte Vertriebspreise glichen den Auflagenschwund aus. Springer schlägt Haken wie ein Hase.
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