Mittwoch, 8. Februar 2012, 06:03 Uhr

manager magazin



08.05.2010
 

Brisante IT-Projekte

Warum Jogi Löw dafür geeignet wäre

Ein Gastbeitrag von Alexander Ockl

Deutschlands Bundestrainer hat Entscheidungen getroffen, obwohl er seinen WM-Kader erst am 1. Juni festlegen muss. Deshalb zieht Romanheld Manfred Alfa Parallelen zum Entscheidungsablauf in seinem Unternehmen - und verrät augenzwinkernd, warum sich Jogi Löw schon jetzt als Koordinator für IT-Projekte empfohlen hat.

Hamburg - So, jetzt wissen wir es! Kevin Kuranyi fährt nicht mit zur Fußball-Weltmeisterschaft. Der momentan zweitbeste deutsche Torschütze der Saison bleibt zu Hause. Statt Kuranyi wird allerdings FC-Köln-Stürmer Lukas Podolski dabei sein; dabei hat er in der ausklingenden Saison gerade einmal zwei Tore erzielt. Und auch der vermeintlich formschwache FC-Bayern-Angreifer Miroslav Klose wurde ins deutsche Team berufen. Ist das richtig? Oder hat Bundestrainer Jogi Löw falsch entschieden, weil er sich voreilig festlegte?

Entscheidungen vor der WM: Bundestrainer Löw zeigt Linie
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Getty Images

Entscheidungen vor der WM: Bundestrainer Löw zeigt Linie

Wenn es nach uns Fußballfans geht, zählt jedenfalls nur die Leistung. Viele von uns stellen ihre WM-Elf deshalb nach der Ergebnisstatistik des Sportblatts "Kicker" auf. Dazu noch ein gutes Spielsystem und fertig ist der WM-Favorit!

So ähnlich hat es die IT in meinem kriselnden IT-Projekt auch versucht. Sie will sich an uns Kunden ausrichten. Business IT-Alignment nennt die Technik das. Im Mittelpunkt stehen dabei die betrieblichen Abläufe meines Bereiches, die sie Business Processes nennt. Damit hat sie leider unseren besten Mitarbeiter aus dem Betrieb abgeschreckt. Herbie war früher Fahrer und kennt das Geschäft bis ins letzte Detail. Englisch ist natürlich nicht sein Ding. Er denkt, die IT will ihm zeigen: "Wir haben studiert und im Gegensatz zu Dir den Durchblick". Dann erzählt uns unglücklicherweise der Analyst von der IT auch noch, wie unsere "Spielzüge" auszusehen haben. Da ist unser Herbie verständlicherweise an die Decke gegangen. Ich hätte wahrscheinlich nicht anders reagiert!

Nachdem ich mich ein wenig mit dem Analysten auseinandergesetzt habe, weiß ich, dass der gar nichts dafür kann. Dominik Weiss ist ein sehr dominanter Charakter mit ausgezeichneten Fachkenntnissen. Mancher Vorschlag ist gut. Aber es geht um uns als Kunden. Und um das, was wir wollen. Da muss man zuhören und nachempfinden können. Ich denke, es gibt bessere Rollen für ihn. Schade nur, dass wir ihn austauschen mussten. Schließlich ist er hoch motiviert gewesen und hat nur nach bestem Gewissen gehandelt. Dafür haben wir jetzt mit unserer neuen Analystin Anna einen Volltreffer gelandet. Unsere Branche ist zwar neu für sie. Aber sie kann zuhören, unser Wissen ordnen und passt wesentlich besser zum Team.

Alexander Ockl: "Das Spiel. Brennpunkt Geschäftsprozesse - IT und Betrieb in einer Mannschaft."; Addison Wesley Verlag, 312 Seiten, Mai 2010, 29,80 Euro.
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Damit wären wir wieder bei unserem Bundestrainer. Im Gegensatz zu uns achtet Löw konsequent darauf, dass die Spieler zusammenpassen. Das ist es ja auch, was unser deutsches Team so stark macht. Schließlich sind wir eine Turniermannschaft! "Elf Freunde müsst ihr sein", hat es Sepp Herberger einmal genannt. Menschen brauchen Zeit, um zueinander zu finden. Auch Nationalspieler. Deshalb kann Jogi Löw nicht bei jedem Spiel denjenigen mitnehmen, der gerade zufällig in Form ist. Er hat von Anfang an nachhaltig an sein Ziel - die Fußball-Weltmeisterschaft - gedacht.

Und wer sagt, dass die vermeintlich außer Form spielenden "Ex-Helden" nicht doch gut spielen? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass Spieler in der Nationalelf, also in einem anderen Umfeld als ihrem aktuellen Verein mit "anderen Kollegen" aufblühen. In meinem Projekt habe ich übrigens so etwas mit meiner Kollegin Gabi Stapler auch erlebt. Aber das Thema ist einen eigenen Artikel wert. Wenn ich jetzt noch Reaktion vom nicht nominierten Jens Lehmann sehe, muss ich sagen:

"Bravo, Jogi. Alles richtig gemacht. Hut ab vor Deiner Geduld, die Entscheidung erst dann zu treffen, wenn sie notwendig ist! Was wäre nur gewesen, wenn Du Dich gegen Kuranyi entschieden und sich die anderen Stürmer verletzt hätten. Aber daran denken wir nicht. Freuen wir uns lieber auf die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Auf den nervtötenden Lärm der Vuvuzelas, dieser seltsamen südafrikanischen Tröten, und schauen, ob wir auch 2010 etwas zu feiern haben werden.

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