06.05.2010
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Zukunftsindustrien

"Deutschland braucht eine steuerliche F&E-Förderung"

Von Eva Müller

2. Teil: "Weder Zeit noch Geld vorhanden"

mm: Den etablierten Unternehmen in Deutschland ist klar, dass sie sich nur mit Innovationen an den Weltmärkten behaupten können - deutsche Autos und Maschinen werden deshalb immer perfektere Hightech-Produkte. Aber entstehen nicht zu wenig ganz neue Technologien in Deutschland? Viele deutsche Erfindungen vom Riesenmagnetwiderstand bis zum MP3-Spieler haben dem Land keine neuen Jobs beschert, während in Asien und USA riesige neue Industrien entstanden sind.

"Junge Industrien brauchen noch bessere Rahmen-bedingungen. Dort entstehen die Jobs der Zukunft."

Quennet-Thielen: Sehen Sie sich als hervorragendes Beispiel nur einmal die Umweltbranche in Deutschland an. Die ist relativ schnell auf 1,8 Millionen Mitarbeiter gewachsen. Dennoch haben Sie Recht, junge Industrien brauchen noch bessere Rahmenbedingungen. Dort entstehen die Jobs der Zukunft. Hier setzt gerade die steuerliche F&E-Förderung als Breitenförderung an.

mm: Ein ganz großes Hindernis für junge Unternehmen ist zum Beispiel der Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten. Können Sie da helfen?

Quennet-Thielen: Die Gründungsförderung fällt in den Aufgabenbereich des Wirtschaftsministers. Der ist mit seinem Hightech-Gründerfonds sehr aktiv und deckt damit etwa 70 Prozent des Marktes für Wagniskapital ab. Das beweist, dass wie hierzulande großen Nachholbedarf bei Venture Capital haben. Deshalb diskutiert das Wirtschaftsressort auch gerade über eine steuerliche Förderung von Wagniskapital.

Innovationen: "Hierzulande großer Nachholbedarf bei Venture Capital"
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Innovationen: "Hierzulande großer Nachholbedarf bei Venture Capital"

mm: Der Wirtschaftsminister kümmert sich um Wagniskapital. Der Finanzminister diskutiert Steuerhilfen für forschende Firmen. Und was kann das Forschungsministerium für die Entstehung neuer Branchen tun?

Quennet-Thielen: Wir werden demnächst ein Instrument zur Validierungsförderung starten. Damit sollen vielversprechende Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern auf ihre technische Machbarkeit und Marktpotenzial hin untersucht und in Richtung der Anwendung weiterentwickelt werden.

mm: Der Name ist ja nicht gerade geschickt gewählt. Wie soll diese Validierung denn praktisch funktionieren?

Quennet-Thielen: Wir werden den Forschern eine gewisse Zeit finanzieren, in der sie ihre Ideen und Ergebnisse Grundlagenforschung für die wirtschaftliche Verwertung vorbereiten können. Gerade die akademische Forschung birgt große Chancen, auch unerwartete und dabei bedeutsame Durchbrüche in der Innovationsgeschehen einzubringen. Diese Durchbrüche werden oft über sogenannte Sprunginnovationen erreicht.

mm: Das klingt fürchterlich theoretisch. Haben Sie ein paar praktische Beispiele?

Quennet-Thielen: Beispiele sind der Lotuseffekt für selbstreinigende Oberflächen oder auch der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs, der aufgrund von Erkenntnissen über den Zusammenhang dieser Krankheit mit dem humanen Papilloma-Virus entwickelt wurde. Für Arbeiten wie die Entwicklung eines Prototypen, Machbarkeitsuntersuchungen oder die technischen Weiterentwicklung sind im normalen - etwa von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten - Wissenschaftsbetrieb weder Zeit noch Geld vorhanden. Und für die Wirtschaft ist zu diesem Zeitpunkt das Risiko noch zu groß, die Ideen aufzugreifen. Diese Lücke zwischen Forschung und wirtschaftlicher Verwertung wollen wir mit der Validierungsförderung schließen.

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