Die Netzwerke sind nicht immer kostenlos, selbst dann nicht, wenn es draufsteht. Die Mitglieder zahlen häufig indirekt mit ihren privaten Daten, mit denen die Betreiber passgenaue Werbung schalten können. Hierfür sollten sie eine Einwilligung der Nutzer vorsehen. Die meisten Netzwerke bieten das aber nicht. Oft können die Nutzer die Werbung nur über einen Widerspruch verhindern - oder gar nicht.
Freundschaften über soziale Netzwerke sind für Jugendliche inzwischen fast ein Muss: Nach einer Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen nutzen 85 Prozent der 12- bis 24-Jährigen sie mehrmals pro Woche und verbringen dabei täglich rund zwei Stunden im Netz. Fast jeder hat schon Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht, 30 Prozent mit Belästigungen und 13 Prozent mit Fotos, die ohne ihr Einverständnis veröffentlicht wurden.
Zwar sind alle Netzwerke bemüht, jugendgefährdende Inhalte zu beseitigen. Doch der Jugendschutz krankt schon daran, dass es keine effektive Möglichkeit der Alterskontrolle gibt: Einen Personalausweis haben Jugendliche in der Regel erst mit 16 Jahren. Bis zu diesem Alter können Anbieter nicht sicherstellen, dass jemand, der vorgibt, 14 zu sein, auch wirklich 14 Jahre alt ist. Xing, StudiVZ und LinkedIn wenden sich ausschließlich an Erwachsene. Sie könnten das Alter ihrer Mitglieder sicher identifizieren - geeignete Verfahren, etwa PostIdent, nutzen sie aber nicht, weil es Geld kostet und für Nutzer umständlich ist.
Es gibt auch positive Beispiele im Umgang mit privaten Daten. Die Netzwerke StudiVZ und SchülerVZ bieten dem Nutzer Einflussmöglichkeiten auf die Verwendung seiner Daten, die Verwertungsrechte verbleiben bei ihm, und sie geben kaum Daten an Dritte weiter. Beim Datenschutzmanagement ist StudiVZ deutlich besser als die meisten anderen Netzwerke.
Nach früheren Problemen mit dem Datenschutz haben die VZ-Netzwerke Softwarequalität Datensicherheit vom Tüv-Süd prüfen lassen. Eine Sicherheitsgarantie bedeutet das aber nicht - denn wichtige Sicherheitsaspekte überprüft der Tüv gar nicht. Da im Internet jederzeit Änderungen möglich sind, können Zertifizierungen, wie auch die Testergebnisse der Stiftung Warentest, nur eine Momentaufnahme darstellen.
Ein Netzwerk, das Informationsaustausch und Datenschutz in Einklang bringt, existiert noch nicht. Solange es solche Netzwerke nicht gibt, muss der Nutzer selbst aktiv werden. Um sein Profil vor ungewollten Einblicken abzuschotten, sollte er die Angabe persönlicher Daten auf das unbedingt Nötige beschränken und sein Profil nur für vertraute Personen sichtbar machen.
Die Europäische Agentur für Internetsicherheit (Enisa) geht noch weiter. Sie empfiehlt, die Netzwerke nur unter Pseudonym zu nutzen und nur Freunden mitzuteilen, wer sich dahinter verbirgt. Außerdem ist es ratsam, die Netzwerke mit verschiedenen Profilen zu nutzen und dabei Berufliches und Privates streng zu trennen. Dass die großen amerikanischen Netzwerke beim Datenschutz am schlechtesten abschneiden, verwundert nicht: Datenschutz spielt in den USA traditionell eine untergeordnete Rolle. Die wirtschaftliche Nutzung von persönlichen Daten als Gegenleistung für einen kostenlosen Dienst akzeptieren Amerikaner viel eher als Deutsche.
© manager magazin online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH