Freitag, 10. Februar 2012, 03:08 Uhr

manager magazin



18.03.2010
 

Siemens

Umbau der IT-Sparte kostet 4200 Jobs

Der Elektrokonzern Siemens streicht bei der Neuausrichtung seiner IT-Sparte SIS bis 2011 weltweit 4200 Stellen, davon etwa 2000 in Deutschland. Damit wolle das Unternehmen die SIS "dem gesunkenen Geschäftsvolumen anpassen".

München - Siemens Chart zeigen reagiert damit auf Umsatzrückgang und Ertragsschwund in der Sparte. Betroffen seien vor allem die großen Standorte wie München und Paderborn sowie der Großraum Nürnberg/Erlangen, sagte Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm am Donnerstag in München. "Wir müssen die SIS-Organisation dem gesunkenen Geschäftsvolumen anpassen." Siemens kündigte Gespräche mit den Betriebsräten an. Diese kritisierten die Pläne scharf.

Siemens-Zentrale: Derzeit hat die IT-Sparte SIS weltweit rund 35.000 Beschäftigte
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DDP

Siemens-Zentrale: Derzeit hat die IT-Sparte SIS weltweit rund 35.000 Beschäftigte

Nach der Eingliederung der Sparte unter dem früheren Siemens-Chef Klaus Kleinfeld soll SIS in diesem Sommer wieder ausgegliedert werden. Zum Beginn des Geschäftsjahres 2010/11 (30. September) soll SIS ein eigenständiges Unternehmen sein. Für die Zeit danach hält sich Siemens alle "unternehmerischen Optionen" offen.

Spekuliert wurde immer wieder sowohl über einen möglichen Verkauf als auch über einen Börsengang von SIS. Siemens plant zudem Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro bis 2012, sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser.

Die bisher sieben Geschäftseinheiten der Sparte sollen in zwei Säulen zusammengefasst werden. In Branchenkreisen wurden die Kosten für die Restrukturierung auf einen mittleren dreistelligen Millionen- Euro-Betrag geschätzt.

Beschäftigte der Sparte fürchten seit Monaten harte Einschnitte und hatten daher immer wieder protestiert. Derzeit hat SIS weltweit rund 35.000 Beschäftigte, davon etwa 9700 in Deutschland. Zuletzt kam die Sparte nur noch auf ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 90 Millionen (Vorjahr: 144 Millionen) Euro. Der Umsatz fiel von 5,3 auf zuletzt 4,7 Milliarden Euro.

"Einige Wettbewerber sind besser durch die Krise gekommen"

Auch die IT-Branche habe sich den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht entziehen können, sagte Kaeser. "In der Ertragsentwicklung zeigt sich allerdings, dass einige Wettbewerber bisher besser durch die Krise gekommen sind." Spätestens für das kommende Kalenderjahr erwarteten Experten wieder ein deutliches Wachstum für die IT-Branche in der Größenordnung von 5 Prozent.

Die Branche zeichne sich durch einen hohen Preisdruck und kurze Innovationszyklen aus. "In diesem Umfeld behauptet sich nur, wer sehr schnell und flexibel am Markt agiert", sagte Kaeser.

Arbeitnehmervertreter warfen Siemens vor, Managementfehler auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Gesamtbetriebsrat und IG Metall lehnten das Restrukturierungskonzept in einer gemeinsamen Mitteilung ab. Weiterhin gebe es kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für SIS. "Zudem befürchten wir, dass die aktuellen Pläne nur die jahrelange Abfolge von Restrukturierungen fortsetzen, die vor allem aus Kostensenkungen bestehen."

Die IG-Metall und der Siemens Gesamtbetriebsrat kritisierten den geplanten Stellenabbau. "Die SIS-Beschäftigten leisten seit über drei Jahren ihren Beitrag zur Kosteneffizienz. Trotzdem hat es weder grundlegende Veränderungen im Management noch ein tragfähiges Konzept gegeben", erklärte Dieter Scheitor, der Unternehmensbeauftragte der IG-Metall für Siemens. "Den Versuch, diese Versäumnisse mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab." Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Lothar Adler, kritisierte, dass die Zukunft von rund 2000 Beschäftigten der IT-Sparte in Deutschland, die nicht in die künftige SIS wechselten, ungeklärt sei.

manager magazin mit Material von dpa und ap

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