19.03.2010
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Web-Pionier Tim O'Reilly

"Offenheit ist eine Waffe"

Von Christian Rickens

3. Teil: "All you can Eat" vs. à la carte

mm: Google setzt sich selbst sehr idealistische Ziele, man will der Welt den Zugang zu Informationen zu erleichtern. Wie passt das zur Rolle als Marktführer, der darüber befinden kann, welche Informationen die Welt wirklich erhält - denn was es bei Google nicht unter die ersten zehn Suchtreffer schafft, findet ja faktisch unter Ausschluss der Online-Öffentlichkeit statt?

O'Reilly: Meinem Eindruck ringt Google derzeit mit dem eigenen Selbstverständnis. Da gibt es die Gründer, die es wirklich ernst meinen mit ihrem Idealismus. Aber gleichzeitig birgt gerade der hehre moralische Anspruch die Gefahr, dass der Zweck die Mittel heiligt, weil man den Wettbewerbern ja moralisch überlegen ist. Und dann kann man natürlich leicht der Versuchung erliegen, um des kurzfristigen Vorteils willen andere Anbieter aus dem eigenen System auszusperren. In jedem Fall hat die Öffentlichkeit den Verdacht, dass es so laufen könnte. Google muss sensibler dafür werden, wie es von der Außenwelt wahrgenommen wird. Sonst könnte der Konzern so enden wie einst Microsoft - als ungeliebter Monopolist.

mm: Sie führen selbst einen Computer-Buchverlag mit 240 Mitarbeitern. Vor einiger zeit haben Sie eine Flatrate für Endkunden eingeführt: Für 42,99 Dollar können ihre Kunden beliebig viele elektronische Bücher aus ihrem Sortiment lesen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Angebot?

O'Reilly: Sehr gut! Die Flatrate-Kunden lesen nicht wesentlich mehr als jene, die elektronische Bücher nach anderen Abrechnungsmodellen beziehen. Das ist ein bisschen wie beim kalten Buffet: "All you can Eat" heißt nicht, dass die Leute wirklich mehr essen als à la carte.

mm: Wie groß ist der Umsatzanteil, den sie insgesamt mit elektronischen Büchern machen?

O'Reilly: Etwa 25 Prozent unseres gesamten Buchabsatzes sind elektronisch. Bei den elektronischen Büchern werden wiederum etwa drei Viertel über unseren eigenen Web-Store Safaribooksonline.com verkauft. Der Rest entfällt auf Kanäle wie Amazons Kindle oder Apps für das iPhone.

mm: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Verkauf von Büchern als iPhone-Apps gemacht?

O'Reilly: Wir generieren über diesen Kanal vor allem zusätzliche Verkäufe, das ist gut. Aber dass wir uns aufs iPhone nicht allzusehr verlassen sollten, merkte ich, als Apple es neulich ablehnte, eines unserer Bücher in den App-Store aufzunehmen.

mm: Was für ein Buch war das?

O'Reilly: Ein Handbuch für Android, das iPhone-Konkurrenzsystem von Google

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