mm: Mr. O'Reilly, vor kurzem haben sie in ihrem Blog einen Beitrag veröffentlicht unter der Überschrift "Der Krieg um das Internet". Wer kämpft gegen wen in diesem Krieg ums Netz?
O'Reilly: Als wir im Jahr 2004 anfingen, vom web 2.0 zu sprechen, da bewegte sich die Online-Welt in Richtung Open Source, hin zu einer Ära in der Software zu einem Commodity wird. Es ging auf einmal darum, oberhalb der offenen Softwarestandards eine neue Ebene der Wertschöpfung zu kreieren: Netzwerke, die umso wertvoller werden, je mehr Menschen sie nutzen, wie zum Beispiel den Google-Such-Algorythmus, der mit jeder Suchanfrage dazulernt.
mm:Und was hat das mit einem Krieg zu tun?
O'Reilly: Im Moment versuchen die großen Internetunternehmen, eine Reihe von strategischen Positionen zu besetzen, die für diese neuen Form der Wertschöpfung entscheidend sein dürften: Microsoft investiert Milliarden in die Online-Suche, nur um Google das Feld nicht allein zu lassen. Microsoft
, Google
, Apple
und Nokia
kämpfen um die Vorherrschaft bei den mobilen Betriebssystemen, weil die wiederum als Schlüssel zu den so genannten ortsgebundenen Services gelten: Dienste, die die Identität des Nutzers mit seinem Aufenthaltsort verknüpfen. Wer keine funktionierende Mobile-Strategie hat, wird in der IT zu einem zweitklassigen Spieler absteigen.
Internet
Wie die Giganten Google, Apple und Microsoft die Wirtschaft aufrollen. Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 4/2010, ab Seite 30.
O'Reilly: In den vergangenen Jahren hat sich im Internet ein System verbreitet, das ich gerne als "einzelne Stücke, lose verbunden" bezeichne. Eine Kultur, in der sich einzelne webbasierte Dienste leicht miteinander kombinieren lassen. Ich kann zum Beispiel Daten von Google Maps nutzen und sie mit eigenen Daten zu Hauspreisen kombinieren und so eine innovative Immobilien-Website kreieren, ohne irgendjemand bei Google um Erlaubnis fragen zu müssen. Das Gegenmodell wäre eine Online-Welt, in der ich nur vom einen Dienst einer Firma zum nächsten weitergereicht werde - in der es zu einem Lock in des Kunden kommt: Alles von Apple, alles von Google oder Microsoft.
mm: Stimmt der Eindruck, dass bislang Google der Hauptmotor dieser Offenheit war?
O'Reilly: Ja und nein. Jedes Unternehmen unterstützt offene Standards, wo es ihm nützt, und bekämpft sie dort, wo sie ihm schaden. Deshalb wäre meine Prognose, dass Microsoft sich in Zukunft stärker in Richtung Offenheit bewegen wird als Google. Microsoft geht in wichtigen Onlinebereichen als Außenseiter in den Markt, und in dieser Position ist Offenheit eine Waffe.
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