Donnerstag, 9. Februar 2012, 23:43 Uhr

manager magazin



19.03.2010
 

Web-Pionier Tim O'Reilly

"Offenheit ist eine Waffe"

Von Christian Rickens

Er gilt als der Erfinder des Web 2.0 - Tim O'Reilly. Im Interview mit manager magazin sagt der Internet-Vordenker, wer im Netz gegen wen kämpft, und warum Apple es jüngst ablehnte, eines seiner Bücher in den App-Store aufzunehmen.

mm: Mr. O'Reilly, vor kurzem haben sie in ihrem Blog einen Beitrag veröffentlicht unter der Überschrift "Der Krieg um das Internet". Wer kämpft gegen wen in diesem Krieg ums Netz?

  Tim O'Reilly , Jahrgang 1954, gilt als Erfinder des Web 2.0, seitdem er im Jahr 2004 eine gleichnamige Konferenz organisiert hatte. Der Gründer und Geschäftsführer des Computer-Fachverlages O'Reilly Media in Kalifornien publiziert Bücher und entwickelt freie Software.
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Tim O'Reilly, Jahrgang 1954, gilt als Erfinder des Web 2.0, seitdem er im Jahr 2004 eine gleichnamige Konferenz organisiert hatte. Der Gründer und Geschäftsführer des Computer-Fachverlages O'Reilly Media in Kalifornien publiziert Bücher und entwickelt freie Software.

O'Reilly: Als wir im Jahr 2004 anfingen, vom web 2.0 zu sprechen, da bewegte sich die Online-Welt in Richtung Open Source, hin zu einer Ära in der Software zu einem Commodity wird. Es ging auf einmal darum, oberhalb der offenen Softwarestandards eine neue Ebene der Wertschöpfung zu kreieren: Netzwerke, die umso wertvoller werden, je mehr Menschen sie nutzen, wie zum Beispiel den Google-Such-Algorythmus, der mit jeder Suchanfrage dazulernt.

mm:Und was hat das mit einem Krieg zu tun?

O'Reilly: Im Moment versuchen die großen Internetunternehmen, eine Reihe von strategischen Positionen zu besetzen, die für diese neuen Form der Wertschöpfung entscheidend sein dürften: Microsoft investiert Milliarden in die Online-Suche, nur um Google das Feld nicht allein zu lassen. Microsoft Chart zeigen, Google Chart zeigen, Apple Chart zeigen und Nokia Chart zeigen kämpfen um die Vorherrschaft bei den mobilen Betriebssystemen, weil die wiederum als Schlüssel zu den so genannten ortsgebundenen Services gelten: Dienste, die die Identität des Nutzers mit seinem Aufenthaltsort verknüpfen. Wer keine funktionierende Mobile-Strategie hat, wird in der IT zu einem zweitklassigen Spieler absteigen.

Mehr zum Thema in: manager magazin 4/2010

Internet
Wie die Giganten Google, Apple und Microsoft die Wirtschaft aufrollen. Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 4/2010, ab Seite 30.

mm: Sie haben immer wieder die Sorge geäußert, dass bei diesen Auseinandersetzungen die Offenheit des Netzes auf der Strecke bleiben könnte. Was treibt Sie zu der Befürchtung?

O'Reilly: In den vergangenen Jahren hat sich im Internet ein System verbreitet, das ich gerne als "einzelne Stücke, lose verbunden" bezeichne. Eine Kultur, in der sich einzelne webbasierte Dienste leicht miteinander kombinieren lassen. Ich kann zum Beispiel Daten von Google Maps nutzen und sie mit eigenen Daten zu Hauspreisen kombinieren und so eine innovative Immobilien-Website kreieren, ohne irgendjemand bei Google um Erlaubnis fragen zu müssen. Das Gegenmodell wäre eine Online-Welt, in der ich nur vom einen Dienst einer Firma zum nächsten weitergereicht werde - in der es zu einem Lock in des Kunden kommt: Alles von Apple, alles von Google oder Microsoft.

mm: Stimmt der Eindruck, dass bislang Google der Hauptmotor dieser Offenheit war?

O'Reilly: Ja und nein. Jedes Unternehmen unterstützt offene Standards, wo es ihm nützt, und bekämpft sie dort, wo sie ihm schaden. Deshalb wäre meine Prognose, dass Microsoft sich in Zukunft stärker in Richtung Offenheit bewegen wird als Google. Microsoft geht in wichtigen Onlinebereichen als Außenseiter in den Markt, und in dieser Position ist Offenheit eine Waffe.

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