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14.03.2010
 

Ermittlungsdesaster

Polizei schont Internetverbrecher

Von Martin W. Brock

Die Situation ist alarmierend. Hochgerechnet zwei Drittel aller deutschen Firmen sollen schon Opfer krimineller Internetattacken geworden zu sein. Nicht besser sieht es unter den privaten Internetnutzern aus. Doch auf Strategien der Polizei dagegen wartet man vergebens. Warum eigentlich?

Hamburg - Strafvorschriften wurden präzisiert. Gesetze verschärft. Dennoch scheint Deutschland der Internetkriminalität ausgeliefert zu sein.

  Martin W. Brock  ist ein Pseudonym. Brock arbeitete mehrere Jahre als verdeckter Ermittler der Polizei im Bereich organisierte Kriminalität und Wirtschaftsstraftaten. Um seine Person zu schützen, verzichtet manager-magazin.de darauf, seinen echten Namen, der der Redaktion bekannt ist, zu nennen. Heute schreibt er Kriminalromane mit Bezug zu realen Verbrechen.
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Martin W. Brock ist ein Pseudonym. Brock arbeitete mehrere Jahre als verdeckter Ermittler der Polizei im Bereich organisierte Kriminalität und Wirtschaftsstraftaten. Um seine Person zu schützen, verzichtet manager-magazin.de darauf, seinen echten Namen, der der Redaktion bekannt ist, zu nennen. Heute schreibt er Kriminalromane mit Bezug zu realen Verbrechen.

Nach Angaben einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft wurden hochgerechnete bereits zwei Drittel der Unternehmen hierzulande Opfer von IT-Kriminalität. Deutschlands Polizei scheint machtlos.

Doch für die staatlichen Ermittler ist die Bekämpfung der IT-Kriminalität nicht unmöglich. Sie ist für sie schlicht ein undankbares Betätigungsfeld: Der Aufwand dank internationaler Tätergruppen ist groß, und die Anerkennung der Politik hierfür gering. Deshalb hat man hier schon seit vielen Jahren im Rahmen der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit vorgebaut und diesen Bereich als praktisch von der Polizei nicht beherrschbar deklariert. Doch so langsam kann das niemand mehr hinnehmen.

Weshalb werden im Internet nicht ähnlich wie bei der Bekämpfung der Kinderpornographie verdeckte Ermittlungen durchgeführt? Es wäre nicht schwer, den Tätern beispielsweise beim viel beschriebenen Pishing auf die Spur zu kommen. Denn egal, wo die genutzten Server stehen, irgendwann will der Täter an sein Geld, ob es nun über einen Geldtransferdienst zu ihm gelangt oder per Banküberweisung. Und spätestens dann wird aus dem virtuellen Täter ein gewöhnlicher, physisch greifbarer Krimineller.

Da die Täter häufig im Ausland sitzen, wäre hier eine enge Abstimmung mit den dortigen Polizeibehörden nötig. Bei dieser Aussage hört man schon den vielstimmigen Klagegesang der vereinten Polizeibehörden, wie langsam doch meistens die Kollegen im Ausland agieren würden und man dagegen völlig machtlos sei.

Geringe Durchschlagskraft: Polizei tut sich mit Ermittlungen im Internet schwer
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Corbis

Geringe Durchschlagskraft: Polizei tut sich mit Ermittlungen im Internet schwer

Dem sei entgegengehalten, was in den letzten Monaten möglich war, als es darum ging, die weltweite Zusammenarbeit der Behörden bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu verbessern. Damals schritt die Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit ein (OECD).

Warum sollte es nicht auch schwarze Listen geben für Länder geben, die bei der Bekämpfung der IT-Kriminalität nicht mitwirken? Man könnte ja auf die Idee kommen, dass es letztendlich auch hier um Steuereinnahmen geht: Wer sein Geld an Kriminelle verliert, kann hierfür keine Steuern mehr entrichten.

Auch aufgrund der zunehmenden Nutzung des Internet für sensible Vorgänge, wie etwa die Nutzung einer digitalen Signatur, wird es höchste Zeit, dass die Polizeibehörden in diesem Bereich aktiver werden. Die Mittel hierzu haben sie, auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird, weil es bequemer ist.

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