Washington - Eine Pressemitteilung aus dem Weißen Haus? Das war gestern. Heute twittern Regierungssprecher Robert Gibbs und sein Stellvertreter Bill Burton die Neuigkeiten über POTUS in alle Welt. POTUS ist die Abkürzung für "President of the United States".
Mit mehr als 35.000 beziehungsweise 6000 Followern reichen Gibbs und Burton noch nicht an die Anhängerschaft von Filmschauspielern oder Sportlern heran - Ashton Kutcher etwa hören 4,6 Millionen bei Twitter zu, wenn er mitteilt, dass er gerade Lady Gaga getroffen habe und sehr beeindruckt sei. Aber dafür berichten Gibbs und Burton, was der Präsident gerade macht.
"Wow unreal game... POTUS watched OT in his office right off the Oval Office", twitterte Gibbs über das olympische Finale im Eishockey zwischen den USA und Kanada - OT war die Verlängerungszeit (Overtime) bei dieser Entscheidung, die den USA letztlich nur die Silbermedaille brachte.
Auch die Regierungssprecher im Weißen Haus gehen spielerisch mit Twitter um, so dass mancher Tweet nur von Insidern zu verstehen ist. So twitterte Burton, als es beim Eishockey noch unentschieden stand: "Tied! White House response, on bgnd, from a low- to midlevel administration official: USA! USA! USA!" - "bgnd" bedeutet "on background" und spielt auf eine übliche Praxis im Umgang der Regierung mit Journalisten an, wenn ein Beamter namentlich nicht genannt werden will.
Völlig gewandelte Kommunikationskultur
Auch an anderen Ecken des Weißen Hauses wird fleißig getwittert. Aus der großen weiten Welt der Diplomatie berichten UN-Botschafterin Susan Rice und der Staatssekretär im Außenministerium, Arturo Valenzuela. Handelsminister Gary Locke freut sich über einen Besuch von Michelle Obama und begrüßt die erst seit kurzem twitternde Leiterin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson. Und Verkehrsminister Ray LaHood wendet sich auf Twitter nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern auch ganz gezielt an die eigenen Mitarbeiter im Department of Transportation (DOT): "Welcome back, furloughed DOTers!"
Sie alle haben erkannt, dass sich die Regierung derselben Mittel bedienen muss wie Journalisten und Kritiker. Manchmal wirken ihre Tweets noch etwas ungelenk, und Gibbs gesteht freimütig ein: "Da gibt es offenbar eine ganz eigene Sprache, mit Ziffern und Symbolen, die mir bisher entgangen ist. Ich bin sicher, dass mir mein Sohn das viel besser beibringen kann, als wenn ich mir alles selbst aneigne."
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