Von Frank Patalong
Was Opera dagegen nicht erwartete, war am Wochenende das Bekanntwerden einer kleinen Sicherheitslücke, mit der man den Browser abstürzen lassen kann. Kinderkram im Vergleich zu dem, was Explorer oder Firefox da fast jeden Monat zu melden haben, aber trotzdem peinlich.
Wie marginal die Effekte der Browser Choice zumindest in der laufenden Testphase ansonsten sind, machte der Firefox-Entwickler Mozilla zum Ende der ersten Woche klar: Gut 50.000 Downloads konnte Firefox demnach direkt aus dem Browser-Choice-Fenster heraus dokumentieren. Klingt viel, ist es aber nicht: Es gibt Tage, da verbucht Firefox eine halbe Million Downloads. Auf der anderen Seite ist Browser Choice auch erst in der Testphase, nur einzelne Nutzer wurden bisher mit der Auswahl beschickt.
Das mögen bereits Hunderttausende gewesen sein, insgesamt aber werden es zwischen 100 und 170 Millionen werden: Die Schätzungen divergieren, weil nicht klar ist, wie viele Firmennetzwerke die Browser Choice blockieren werden. Das Gros der Nutzer bekommt die Auswahl jedenfalls erst ab 17. März zu sehen.
Dass es durch die Ankündigung allein schon gelang, das Thema einmal mehr in die öffentliche Diskussion zu bringen, lässt die Aktion vielen jetzt schon als Erfolg erscheinen. So drängt das
European Committee for Interoperable Systems (ECIS) schon darauf, die Browser Choice nicht nur in Europa, sondern weltweit verbindlich zu machen. Hinter dem offiziös klingenden Namen des Komitees, das unter anderem in Brüssel als Lobbygruppe auftritt, verbirgt sich eine Interessengemeinschaft, der unter anderem Adobe
, Corel, IBM
, Nokia
, Opera, Oracle
, RealNetworks, Red Hat und Sun Microsystems angehören - allesamt Konkurrenten von Microsoft
.
Gelegenheit, Altlasten abzuwerfen
Und selbst Microsoft dürfte ein Interesse daran haben, dass sich in den Gewichtungen der Browser-Marktanteile etwas verändert. Zurzeit hat die Programmversion 6 des Internet Explorer noch fast so viele Nutzer (19,6 Prozent) wie die aktuelle Version 8 (22,5 Prozent Weltmarktanteil laut Net Applications).
Das Problem daran: MSIE6 ist acht Jahre alt, aufgeblasen und langsam, bietet keine zeitgemäßen Features und gilt als eines der größten Sicherheitsprobleme in der Windows-Welt. Kurzum: Die Software trägt seit Jahren dazu bei, den Ruf der Microsoft-Browser zu ruinieren. Auch MSIE8 gilt nicht gerade als innovativster Browser auf dem Markt, zumindest aber als schneller, solider und zeitgemäßer als die bisherigen Produkte.
So wird die Aktion Browser Choice nicht zuletzt zur Gelegenheit, den Kunden auch das eigene Produkt noch einmal anzubieten, denn Auflagen folgend wird der MSIE seit der Version 6 nicht mehr ungefragt und automatisch mit einer neueren Programmversion ersetzt: Der Nutzer muss sich zum Update entscheiden. Das aber tun viel zu viele PC-Nutzer nicht, die sich über Sicherheitsrisiken veralteter Software nicht im Klaren sind - geschweige denn darüber, dass sie etwas verpassen, wenn sie keine zeitgemäße Software nutzen.
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