Von Anja Tiedge
mm: Sie wollen die Aussteller von Consumer-Produkten wieder stärker in den Fokus rücken?
Berg: Das wäre uns mehr als recht. Die diesjährige Cebit wird die wichtigste seit Langem: Sie muss den Schwenk schaffen und wieder mehr Anwender locken.
mm: Woran lag der Rückgang im vergangenen Jahr?
Berg: 2009 ist die Wirtschaft massiv eingebrochen, die Werbebudgets waren eingefroren. In diesem Jahr gibt es eine gewisse Erholung.
mm: An der Cebit selbst lag es also nicht?
Berg: Nein. Obwohl ich denke, dass der Schwenk hin zum Privatnutzer ruhig schon im vergangenen Jahr hätte vollzogen werden können. Das wird der Cebit 2010 sehr gut tun. Ich will auch nicht Aussteller oder Besucher zählen, sondern wie viele Kundenkontakte ich habe. Diese Zahl wird in diesem Jahr wohl sehr gut ausfallen. Ich hatte noch nie so viele Termine mit den IT-Chefs von Unternehmen wie in diesem Jahr. Es könnte also eine verflixt erfolgreiche Cebit werden.
mm: Die Cebit ist in diesem Jahr mit fünf Tagen einen Tag kürzer als 2009. Soll das trotz der optimistischen Aussichten so bleiben?
Berg: Ich konnte die Entscheidung verstehen, die Cebit zu verkürzen. Aber wenn ich damals gewusst hätte, dass sich die Wirtschaftslage wieder beruhigt, hätte ich nicht auf den Sonntag verzichtet. Ich denke, dass die Cebit 2011 wieder einen Tag länger sein wird.
mm: Seit zwei Jahren verpasst sich die Cebit mit dem Hype-Thema Green IT einen grünen Anstrich. Ist das Thema mit der Wirtschaftskrise wieder in der Versenkung verschwunden?
Berg: Im Gegenteil, Green IT gewinnt gerade erst richtig Fahrt. Natürlich müssen IT-Unternehmen ihren Teil dazu beitragen und etwa den Energieverbrauch von PCs oder Servern weiter reduzieren. Wichtiger ist aber die Frage, welchen Beitrag IT leisten kann, um Energieeinsparungen in anderen Bereichen zu ermöglichen.
mm: In welchen Bereichen genau?
Berg: Zum Beispiel in privaten Haushalten. Wir haben gerade mit RWE ein Projekt entwickelt, das sich Smart Home nennt. Mithilfe eines Steuerelements kann man den Stromverbrauch von Heizung, Licht und Hausgeräten regeln. Zum Beispiel werden die Heizkörper automatisch abgestellt, wenn jemand ein Fenster öffnet. Dadurch sollen die Energiekosten kräftig fallen.
mm: Das klingt nach vernetztem Wohnen, dem in den vergangenen Jahren immer wieder der große Durchbruch prophezeit wurde. Der blieb bis jetzt aber aus.
Berg: Das stimmt. Bislang waren solche Lösungen zu kompliziert und zu teuer. Smart Home ist ein neuer Ansatz, zum Beispiel müssen keine Leitungen in Wänden neu verlegt werden. Damit ist das System auch für kleine Mietwohnungen interessant.
mm: Microsoft steigt jetzt auch noch in den Strommarkt ein?
Berg: Nein, wir liefern bei dem Projekt die IT. Für den Strom ist RWE zuständig. Und um die Heizung zu steuern, braucht man noch nicht mal einen Windows-PC, weil alles über einen Browser läuft. Es ist also egal, an welchem Rechner ich gerade bin - bevor ich mich auf den Heimweg vom Büro mache, kann ich schon mal die Heizung in der Wohnung hochfahren.
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