Von Anja Tiedge
mm: Kann das neue Handybetriebssystem Windows Phone 7 zum Erfolg von Bing beitragen?
Berg: Absolut. Auf Handys mit Windows Phone 7 gibt es einen Bing-Button, also einen Knopf, über den man direkt zur Bing-Suche kommt. Wir erwarten, dass in drei Jahren mehr Smartphones verkauft werden als PCs. Deshalb werden in Zukunft viele Nutzer über Handys zur Bing-Seite gelangen. Das mobile Internet wird für uns extrem wichtig.
mm: Das heißt im Umkehrschluss, dass der PC-Markt einbrechen wird?
Berg: Nein, davon gehen wir nicht aus. Die Nutzer werden sich Zusatzgeräte kaufen. Ein typisches Beispiel ist der Netbook-Markt: Das Netbook ersetzt in der Regel kein anderes Gerät, sondern wird zusätzlich gekauft. Darunter muss der PC-Markt nicht leiden.
mm: Bislang waren Handybetriebssysteme von Microsoft auf Geschäftskunden ausgerichtet. Windows Phone 7 orientiert sich dagegen stark am Privatnutzer. Ändern Sie nun Ihre Strategie - weg vom Geschäftskunden, hin zum Privatanwender?
Berg: Ich würde es eher als Evolution bezeichnen. Vor zehn Jahren kamen neue Impulse ausschließlich aus dem Businessbereich. Das hat sich geändert. Seit ein, zwei Jahren konzentriert sich die IT stark auf den Endverbraucher. Instant Messaging zum Beispiel wurde für den Consumer-Bereich entwickelt und ist jetzt im Businessbereich stark. Auch viele Handyapplikationen waren ursprünglich für Privatanwender gedacht und sind jetzt auf Geschäftshandys installiert. Beide Seiten vermischen sich immer stärker. Man nutzt Handys, PCs und Laptops heute privat und geschäftlich.
mm: Microsoft hat sich vom Ein-Produkt-Unternehmen zum Anbieter für verschiedenste IT-Produkte entwickelt - vom Betriebssystem für Handys und PCs über Server bis hin zu Cloud Computing. Gerade für mittelständische Unternehmen hat das auch Nachteile: Einige kritisieren, dass Microsoft ihnen mehr Beratung bieten müsse, um sich in der Fülle der Produkte noch zurechtzufinden.
Berg: Das kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben neben eigenen Beratern 33.000 Partnerunternehmen, die Berater ausbilden. Kein anderes Unternehmen hat ein so großes Partnernetzwerk, das speziell auf den Mittelstand ausgerichtet ist.
mm: Ist denn die Kritik der Mittelständler bis zu Ihnen vorgedrungen?
Berg: Einzelne Unternehmen haben sich darüber beschwert, ja. Über solche Themen tauschen wir uns mit unseren mittelständischen Kunden aus, über Organisationen wie das Microsoft Business User Forum. Aber soweit wir das mitbekommen, sind die allermeisten Unternehmen, auch die Mittelständler, mit unserer Beratung zufrieden.
mm: Herr Berg, Sie sind auch Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom, für den die Cebit zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres gehört. Die IT-Messe litt 2009 unter einem massiven Kunden- und Ausstellerschwund. Auch in diesem Jahr haben sich wieder weniger Aussteller zur Cebit angemeldet. Wie wollen Sie diesen Trend stoppen?
Berg: Die Cebit ist über die Grenzen Deutschlands hinweg die wichtigste IT-Messe der Welt. Es wäre fatal, wenn wir uns die Messe selber kaputt machen würden. Nach dem Hype um die Jahrtausendwende hat sich die Messe auf einen reinen B2B-Ansatz besonnen. Das mag damals richtig gewesen sein, langfristig ist es falsch. Business- und Privatbereich gehören mittlerweile zusammen. Deshalb brauchen wir auf der Cebit neben den Businessanwendern auch die Privatanwender.
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