Von Anne Preissner
mm: Amazon
hat millionenfach sein elektronisches Lesegerät Kindle und seine E-Books verkauft. Jetzt bläst Apple mit seinem multifunktionalen iPad zum Angriff. Ist der Kindle schon Geschichte?
Kleber: Der Kindle steht nicht im Widerspruch zum iPad. Denn Amazon hat ganz bewusst ein Gerät kreiert, das dem Erlebnis des Bücherlesens sehr nahekommt. Wir haben bewusst auf einen Touchscreen verzichtet, weil eine zusätzliche Schicht auf dem Bildschirm dem E-Reader die Schärfe nimmt. Auch unsere Entscheidung, auf Beleuchtung zu verzichten, folgt dem normalen Lesegefühl: Wer ein physisches Buch liest, muss auch eine Lampe anschalten oder aber bei Tageslicht lesen.
mm: Trotzdem hat Amazon unlängst den Touchscreen-Spezialisten Touchco gekauft - eifern Sie nicht doch Apple nach?
Kleber: Kein Kommentar. Technisch könnten wir selbstverständlich heute schon einen Kindle mit Touchscreen bauen - allerdings hat ein berührungsempfindlicher Bildschirm einen negativen Einfluss auf die Lesbarkeit, deshalb haben wir darauf verzichtet.
mm: Der Trend vom Handy zum Smartphone zeigt, dass technikaffine Kundschaft möglichst viele Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten in einem Gerät schätzt. Unterschätzen Sie nicht den Hang zu All-in-One-Lösungen?
Kleber: Hat die Handykamera den Markt für Fotoapparate kaputt gemacht? Verzichten Musikliebhaber auf hochwertige Stereoanlagen? Für spezielle Bedürfnisse gibt es immer eine Nachfrage, und der Kindle ist eben auf Leseratten zugeschnitten. Sie können 1500 Bücher darauf laden und Lektüre nachkaufen, die Batterie hält wochenlang beim Lesen. Natürlich ist es verlockend, 24 andere Funktionen hinzuzufügen, aber am Ende entscheidet die Aufgabenstellung.
mm: Und wenn der Kindle doch die Marktbedürfnisse verfehlen sollte?
Kleber: Wir verkaufen alle Geräte, auch die unserer Konkurrenten. Wir verkaufen Content, und wir verkaufen physische Bücher. Wir fahren keine Monostrategie, sondern wollen unseren Kunden in erster Linie mehr Vielfalt anbieten.
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