Donnerstag, 9. Februar 2012, 16:18 Uhr

manager magazin



15.02.2010
 

Webradio

Die jungen Wilden

2. Teil: "Radio erfindet sich durch das Internet neu"

Auch die klassischen Radiosender bauen sich im Netz ein zweites Standbein auf - sie sind fast alle mit einem Webableger vertreten, so Hansen. "Alle Hörfunkangebote des NDR sind als Livestream im Internet abrufbar", sagt zum Beispiel Ralph Coleman vom Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Darüber hinaus werden Schleifen bestimmter Sendungen in "Loopstreams" zum Nachhören angeboten. Viele NDR-Sendungen und Beiträge - von Reportagen über Comedy bis zu Nachrichtenmagazinen - gibt es als "Audio on Demand" in der NDR-Mediathek oder als Podcast.

Radiogeschichte: Mit dem Volksempfänger verbreitete sich das Radio in Deutschland rasant
DPA

Radiogeschichte: Mit dem Volksempfänger verbreitete sich das Radio in Deutschland rasant

Populäre Portale wie Last.fm oder Deezer kombinieren Radio und soziales Netzwerken. "Hier wird versucht, den Netzwerkcharakter des Internets in Musikcommunitys zu integrieren", erklärt Hansen. Nutzer tauschen sich aus, empfehlen sich gegenseitig Musik und stellen ihre Playlists auf - und sie lernen andere Radiohörer und Musikbegeisterte kennen.

Auch kostenpflichtige Musikdienste wie Napster oder Musicload orientierten sich zunehmend an den Hörgewohnheiten der Nutzer. Gegen einen monatlichen Festbetrag lassen sich über die Plattformen viele Millionen Musiktitel per Stream hören. Noch vergleichsweise neu in diesem Bereich ist Aupeo, das nur noch auf Streaming setzt.

Andere Portale wie das von Radio.de haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt zu ordnen und schnell verfügbar zu machen. Wie das funktioniert? Einfach den Sendernamen gefolgt von Radio.de in den Browser tippen, und der entsprechende Livestream startet mit nur einem Klick, erklärt Geschäftsführer Karl Krainer. So erhält der Nutzer kostenlosen Zugriff auf mehr als 4000 deutsche und internationale Radiosender, Webradios und Podcasts. Ein ähnliches Prinzip verfolgt beispielsweise Surfmusik.de.

Viele W-Lan-Audiogeräte und Küchenradios mit Webzugang holen das Radioerlebnis genau dorthin, wo der Hörer sich am liebsten aufhält, sagt Sven Hansen von der "C't" - so schließt sich der Kreis. Und je mehr sich webfähige Mobilgeräte ausbreiten, umso mehr würden Audiodienste auch klassischen MP3-Spielern Konkurrenz machen. Die meisten Angebote seien kostenlos, Auswahl und Vielfalt nahezu unbegrenzt. Zunehmend mobil und in ein soziales Netzwerk eingebunden, entspricht Webradio damit den Gewohnheiten vieler junger Menschen: "Das Radio erfindet sich durch das Internet neu."

Philipp Laage, dpa

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