Mittwoch, 8. Februar 2012, 05:16 Uhr

manager magazin



01.02.2010
 

Neue Erzählformen

Wie Tablets das Zeitunglesen revolutionieren können

Von Konrad Lischka

Die Presseverlage erhoffen sich von Tablets wie dem iPad ihre Rettung. Doch Gedrucktes einfach digital zu verkaufen, wird nicht reichen: Jetzt braucht es Kreativität. Denn auf den neuen Geräten gibt es plötzlich starke Konkurrenz von Fernsehsendern, Web-Medien und ganz neuen Wettbewerbern.

Jennifer Brook hat bei der iPad-Präsentation einen schönen Satz gesagt, der im Getümmel um Steve Jobs' neuen Streichel-Computer ein bisschen untergegangen ist. Die "New York Times"-Managerin präsentierte die iPad-Anwendung ihrer Zeitung mit den Worten: "Ich denke, wir haben die Essenz des Zeitunglesens erfasst."

Das wird Brook wohl nicht ganz so gemeint haben. Aber bezeichnend ist die Aussage schon: Die Macher des wohl angesehensten US-Verlagshauses für journalistische Produkte arbeiten nicht daran, etwas Neues zu erfinden. Sie wollen vor allem ihre alten Produkte auf neue Vertriebswege übertragen.

Das könnte etwas zu kurz gedacht sein. Warum, war bei der iPad-Show ebenfalls zu sehen.

Da zeigte die US-Baseballliga MLB ihre iPad-Anwendung, die den beliebten Sport zu einem neuartigen Erlebnis machen soll. Man kann zwischen mehreren Video- und Audioübertragungen von Spielen wechseln. Man kann währenddessen Statistiken zu einzelnen Spielern aufrufen. Man kann die Spielhistorie des Hitters und Pitchers vergleichen, die gerade gegeneinander antreten. Und in einer Fülle von interessant aufbereiteten Daten wühlen, die für das aktuelle Spiel relevant sind. An der kurzen MLB-Präsentation sind zwei Dinge bemerkenswert, mit denen klassische Medienunternehmen sich wohl auseinander setzen müssen, wenn mobile Endgeräte Mainstream werden - egal, ob das iPad nun floppt oder nicht:

  • In der Baseball-Anwendung lassen sich Text- und Videoangebote nicht mehr klar unterscheiden. Beides geht ineinander über und verschmilzt zusammen mit interaktiven Grafiken zu einem neuartigen Informationsangebot.
  • Die - kostenpflichtige - Anwendung wird von keinem klassischen Medienunternehmen betrieben, sondern von der Baseballliga.

Ob sich nun Tablets wie das iPad durchsetzen oder Mobiltelefone mit weiterentwickelten Displays, ist letztlich egal - klar ist, dass in ein paar Jahren viele Menschen solche Geräte nutzen werden. Und um ihre Aufmerksamkeit und ihr Geld ringen dann nicht nur die Angebote der Zeitungs- und Magazinbranche. Sondern auch jene von Fernsehsendern, Onlineangeboten und völlig neuen Anbietern wie MLB.

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