29.01.2010
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Axel-Springer-Chef Döpfner

Lust am Untergang

Von Klaus Boldt

8. Teil: "Gerade jetzt können wir Marktanteile gewinnen"

mm: "Bild" und "Bild am Sonntag" verlieren stetig und offenbar unaufhaltsam an Auflage. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Immer weniger Leute mögen das wichtigste Produkt Ihres Hauses.

Döpfner: Die verlieren seit 20 Jahren an Auflage. Aber die Rückgänge schwächen sich ab. Ich will nicht mit stolzgeschwellter Brust ein Triumphgeheul ausstoßen: Aber "Bild" hat eine Reichweite von 11,6 Millionen, Tag für Tag, und darin sind die Zuwächse der Online-Angebote noch nicht einmal enthalten. "Wetten, dass ...", die größte TV-Sendung, erreicht 11,1 Millionen Menschen - aber nur sechsmal im Jahr.

"Gerade jetzt, wo sich kaum noch einer regt, können wir Marktanteile gewinnen."

Axel-Springer-Chef Döpfner über seine prall gefüllte Kriegskasse

mm: Die Springer-Geschäfte laufen schlecht, aber es hat den Anschein, als liefen sie nicht so schlecht wie die der Konkurrenz.

Döpfner: Wir werden deutlich unter dem Rekordergebnis von 2008 bleiben. Das dritte Quartal war allerdings überraschend gut, und wir bewegen uns in Anbetracht der Krise auf einem extrem hohen Renditeniveau: Im deutschen Zeitungsgeschäft haben wir eine Ebitda-Marge von 25,4 Prozent, operativ wohlgemerkt, also ohne irgendwelche Sondererlöse. Das ist eine Zahl, die hätte man vor Kurzem noch als Gierrendite maßloser Finanzinvestoren gebrandmarkt. Das relativiert für mich das apokalyptische Untergangsgeschrei.

mm: Anders als etwa die "FAZ" ist Springer nur in geringem Umfang vom Rubrikenmarkt abhängig. Dort floss wirklich Blut.

Döpfner: Das stimmt. Jedenfalls haben wir durch eine seit Jahrzehnten verfolgte Strategie schöne Voraussetzungen, um gegen den Trend in der Krise zu investieren. Allein für das Marketing unserer großen deutschen Zeitungen haben wir vor ein paar Wochen noch ein Sonderbudget von mehr als 20 Millionen Euro freigeschaltet. Gerade jetzt, wo sich kaum noch einer regt, können wir Marktanteile gewinnen.

mm: Sie haben zuletzt viel in Online-Geschäfte investiert, ein bisschen aber auch in traditionelles Druckwerk.

Döpfner: Wir haben vor Kurzem "Hörzu Wissen" gegründet und unter anderem die russischen Zeitschriftentitel von Gruner + Jahr gekauft. Wir können antizyklisch investieren, weil wir einen hohen Cashflow erwirtschaften und weil wir immer so ein ängstliches mittelständisches Unternehmen gewesen sind, das sein Geld zurückgehalten und Schulden vermieden hat.Ich erinnere mich noch, wie man uns früher bei Investorenkonferenzen belächelt hat: under-leveraged balance sheet, hieß es da. Nun ist eine möglichst minimale Schuldenlast Gold wert. Außerdem besitzen wir fast 10 Prozent eigene Aktien. Dies eröffnet uns große Handlungsspielräume und verleiht uns eine fröhliche Tatkraft.

mm: Sie haben die Kreditlinie von 1,5 Milliarden Euro nicht erwähnt. Statt nur ein paar russische Blätter zu kaufen, könnten Sie sich doch gleich Gruner + Jahr selbst einverleiben.

Döpfner: Mein Eindruck ist, dass Gruner + Jahr nicht zum Verkauf steht.

mm: Und wenn: Hätten Sie Interesse?

Döpfner: Wir sind mit unseren eigenen Unternehmungen sehr gut beschäftigt.

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