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manager magazin



29.01.2010
 

Axel-Springer-Chef Döpfner

Lust am Untergang

Von Klaus Boldt

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner übt harte Kritik an der eigenen Zunft. Im Gespräch mit manager magazin wirft er den Verlagen vor, einerseits am Journalismus zu sparen und andererseits wertvolle Inhalte im Internet zu verschenken. Das Interview wurde exklusiv für die Online-Ausgabe aktualisiert und erweitert.

mm: Herr Döpfner, Sie sind Aufsichtsrat bei Time Warner Chart zeigen und vertraut mit den Schrecknissen des amerikanischen Medienmarkts: Den Zeitungen dort laufen die Leser zu Millionen ins Internet davon, die Anzeigenkunden stürzen hinterher. Wird der Nachrichtenhandel eines Tages überall so enden: in Elend und Verzweiflung?

Döpfner: Elend und Verzweiflung begleiten die Prognosen für unser Gewerbe, seit es Zeitungen gibt. Solche kulturpessimistischen Untergangsszenarien waren und bleiben falsch.

mm: Nicht unpraktisch, wenn Sie bei Time Warner frühzeitig erfahren, was der Weltmarktführer in diesem trend- und modegetriebenen Gewerbe plant.

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Döpfner: Ich bin glücklich, als einziger Europäer im Board von Time Warner zu sitzen. Für mich ist es ein Privileg und eine großartige Lernerfahrung. Ein guter Deal für beide Seiten: Ich liefere die europäische Perspektive und bekomme dafür die amerikanische.

mm: Kann man von US-Medienmanagern, die ja nicht zu den hellsten der Gilde gehören, überhaupt etwas lernen?

Döpfner: Und wie. Es gibt hervorragende Manager im amerikanischen Mediengeschäft. Im Übrigen kann man auch aus Fehlern lernen. Aber vergessen Sie nicht, dass der Zeitungsmarkt in den USA ganz anders strukturiert ist als derjenige in Europa. Die amerikanischen Verleger haben sich sehr viel abhängiger von den Anzeigenerlösen gemacht, deren Umsatzanteil zwischen 70 und 80 Prozent liegt. Und von diesen Einnahmen stammen wiederum bis zu 80 Prozent aus dem Rubrikenmarkt, Immobilien-, Stellenanzeigen und so weiter. Und dieses Geschäft ist von der Konkurrenz des Internets in besonderem Maße betroffen. Bei der Axel Springer AG Chart zeigen, dies nur zum Vergleich, halten sich Vertriebs- und Anzeigeneinnahmen ungefähr die Waage.

Aber es gibt noch weitere bedeutende Unterschiede, die es sehr unwahrscheinlich machen, dass der deutsche Zeitungsmarkt eine den USA vergleichbare Entwicklung nimmt: Anders als in den USA existiert bei uns ein starkes Regionalzeitungsgeschäft mit allein 380 unabhängige Verlagen, von denen einige sogar Umsatzmilliardäre sind und von denen viele eine große wirtschaftliche Bedeutung in ihrer Region haben. Nur 34 Prozent der Amerikaner lesen überhaupt eine Zeitung - in Deutschland sind es 72 Prozent. Knapp 30 Prozent der Deutschen kaufen regelmäßig eine Zeitung, in den USA sind es nur 16 Prozent. Aber in der Tat leiden die Zeitungsverlage dort auch unter vielen selbstverschuldeten Problemen.

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